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1. gemeinsamen Jahreskongress der DGG und der ÖGGG (=14.DGG- Jahrestagung)
in Berlin, 16. bis 18. November 2006

ALTER IST VIELFALT!

Unterernährung in Deutschland: Vernachlässigung von betagten Menschen
Pressetext von Prof. C. Sieber, Nürnberg

Auch wenn dies kaum vorstellbar ist: Um die 1,6 Millionen Menschen im wohlhabenden Deutschland sind mangelernährt! Während bis etwa zum 65. Lebensjahr Übergewicht das größte ernährungsbedingte Gesundheitsproblem darstellt, leiden alte Menschen und darunter besonders Hochbetagte an Unterernährung – mit entsprechenden, vermeidbaren Folgen für die Lebensqualität. Hinzu kommen weitere Fragen wie die Ernährung am Lebensende oder eventuelle Zusammenhänge zwischen Demenz und Ernährung.
Etwa 15 Prozent der Betagten, die noch zu Hause leben, weisen eine eine "Malnutrition", sprich Mangeler-nährung auf. Diese Zahl steigt auf 40 bis 50 Prozent bei alten Menschen, die akut ins Krankenhaus kommen. Noch schlimmer ist die Situation bei Bewohnern in Langzeitpflege-Einrichtungen. Gewichtsabnahme besonders bei Hochbetagten (über 80 Jahre) ist aber grundsätzlich mit einer erhöhten Krankheitsrate und verfrühtem Tod verbunden. Durch Mangelernährung verursachte Abnahme der Muskelmasse und Muskelschwäche sowie dadurch hervorgerufene Stürze mit der Folge einer Schenkelhalsfraktur beeinträchtigen überflüssigerweise die Lebensqualität.
"Künstliche Ernährung"
Man ist, solange man isst. Aber die Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr kann am Lebensende zur Crux werden, weil bei fehlender oder gestörter Möglichkeit zum Schlucken die "normale" Nahrungsaufnahme unmöglich wird. Die ethische Grundfrage in solchen Situationen ist meist, ob durch eine Fortsetzung der Ernährung, zum Beispiel durch Magensonde oder Infusion, Leiden unnötig verlängert wird.
Die Diskussion zum Beispiel um Wachkomapatienten zeigen, wie sehr neben der Ethik auch das Rechtssystem an seine Grenzen stoßen kann. Die Frage, wie intensiv ein Mensch am Lebensende künstlich ernährt werden soll, sollte immer im Team entschieden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hat schon vor einigen Jahren zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entsprechende Leitlinien zur "enteralen Ernährung"* erarbeitet. An erster Stelle steht der Wille des Patienten. Patientenverfügungen sind auch für Angehörige sowie für Ärzte und Krankenpflegepersonal eine große Hilfe.
Ernährung, Alterungsprozesse und Demenz
Richtig ist, dass es kein genetisch festgelegtes Programm für das Altern gibt und dass Alterungsprozesse durch den persönlichen Lebensstil beeinflusst werden können. Das gilt jedenfalls für körperliche Prozesse wie zum Beispiel Gefäß- und Herzkrankheiten. Rund ein Drittel der über 65-jährigen schluckt Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Calcium und Vitamine. Deren Nutzen ist jedoch nicht nachgewiesen. Eine zu hohe Dosierung kann sogar schädlich sein. "Prä- und Probiotika" hingegen können bei älteren Menschen mit eingeschränkter Darmfunktion helfen.
Aber kann mit einer gesunden Ernährung die Entwicklung einer Demenz verhindert werden? Zunächst einmal sollte Mangelernährung (s.o.) vermieden werden. Ferner ist eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Fisch zum Beispiel aus allgemein gesundheitsvorbeugenden Gründen sinnvoll. Es ist jedoch bisher nicht erwiesen, dass es ein "Essen gegen das Vergessen" gibt.
Um so wichtiger ist es, frühzeitig auf Ernährungsprobleme zu achten, wenn eine Demenz eingetreten ist. Im Wesentlichen unterscheidet sich die Ernährung Demenzkranker nicht von der für alle anderen Senioren. Wichtig gerade in Alten-Einrichtungen ist es, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Und die natürlichen Nahrungsaufnahme muss so lange wie möglich Vorrang vor einer "künstlichen Ernährung" haben. Dies aber setzt liebevolle Zuwendung voraus.
Am 19. Januar 2006 gab es den "Nutrition Day in European Hospitals". In Deutschland existiert die "Allianz gegen Mangelernährung im Alter", die von Fachleuten verschiedener Disziplinen getragen wird und beim Jahreskongress 2006 in Berlin eine Plattform erhält.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Cornel Sieber
Klinikum Nürnberg
Prof. Ernst Nathan-Straße, 90419 Nürnberg
Mail
PRESSE-Kontakt:
MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96 86, Fax: -87
> Mail
Aktuelle Arbeiten von Mitgliedern der „Arbeitsgruppe Ernährung“ innerhalb der DGG:
° Volkert D.: Leitlinie Enterale Ernährung der DGEM und DGG – Ernährungszustand, Energie- und Substratstoffwechsel im Alter. Aktuel Ernaehr Med 2004;29:190-197
° Bauer JM, Vogl T, Wicklein S, Trogner J, Muhlberg W, Sieber CC: Comparison of the Mini Nutritional Assessment, Subjective Global Assessment, and Nutritional Risk Screening (NRS 2002) for nutritional screening and assessment in geriatric hospital patients. Z Gerontol Geriatr 2005;38:322-327
° Sieber CC: Challenges for the treatment of demented patients from a geriatrician’s point of view. In: Standards in dementia care (Alistair Burn, Editor). Taylor & Francis (London and New York); 2005: pp 165-170
° Bauer JM, Volkert D, Wirth R, Vellas B, Thomas J, Kondrup J, Pirlich H, Werner H, Sieber CC: Diagnostik der Mangelernährung des älteren Menschen – Ergebnisse eines internationalen Experten-Meetings der BANSS-Stiftung. Dtsch Med Wochenschr 2006;131:223-227
° Sieber CC: Nutritional Screening tools – how does the MNA compare? Proceedings of the Session held in Chicago May 2-3, 2006 (15 years of Mini Nutritional Assessment). J Nutr Health Aging (in press)

 

 
 
 
 
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