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119. Kongress der deutschen Gesellschaft für Chirurgie
ICC Berlin, 7. bis 10. Mai 2002: "Digitale Revolution"

Abschluss-Pressemitteilung
- Prof. Siewert: "Offene Ohren für Wandlungsprozesse"
- Neuer Vorstand der Dt. Ges. f. Chirurgie gewählt

BERLIN, 10. Mai 2002 - Am Freitagabend ging in Berlin der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie zu Ende, an dem etwa 5.000 Ärzte unter anderem aus den deutschsprachigen Ländern, Japan und den USA teilgenommen haben. Die Veranstaltung vom 7. bis zum 10. Mai im Internationalen Congress Centrum stand unter dem Motto: "Digitale Revolution in der Chirurgie". Prof. Dr. J. Rüdiger Siewert (München), Präsident der Chirurgengesellschaft und des Kongresses, erklärte zum Abschluss, provozierende Thesen auf diesem Kongress seien bei den Chirurgen auf erstaunlich offene Ohren gestoßen. Dazu gehörten etwa die notwendige Vernetzung mit anderen Disziplinen und das Bekenntnis zur Ergebnisqualität.
In über 200 Sitzungen mit rund 1.000 Vorträgen ging es unter anderem um eine Neuorientierung nicht nur in der Krebschirurgie, sondern generell in der fachübergreifenden Behandlung von Krebskranken, die auch neue Strukturen und zum Teil eine Zentralisierung in besonders kompetenten Therapieeinrichtungen benötigt. Weitere Themen waren eine Bestandsaufnahme zur "Schlüssellochchirurgie" und zu endoskopischen Operationen, der Stand der Entwicklung künstlicher und der Transplantation tierischer Organe oder auch Mehrfachverletzungen bei Unfällen. Kritisch fiel ferner die Beurteilung der zu großzügig angewandten "Schönheitsoperationen" und ihrer Komplikationen aus. Eine besondere Sitzung beschäftigte sich mit dem "Barrett-Karzinom", das auf der Grundlage der "Reflux-Krankheit" (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) entsteht und Besorgnis erregend zunimmt. Darüber hinaus haben sich die Chirurgen beim Kongress in Berlin auch mit der Zukunft der Medizin insgesamt sowie gesundheits- und berufspolitischen Fragen auseinandergesetzt, so etwa mit dem zu erwartenden Ärztemangel und mit dem Arbeitszeitgesetz. Zentrale Bedeutung hatte ferner die Sicherung der Ergebnisqualität, ein Thema, bei dem Chirurgen innerhalb der Medizin seit langem eine Vorreiterrolle spielen.
Überfüllt waren die Härsäle bei drei Festvorträgen namhafter Persönlichkeiten: Dr. Hubert Burda (Burda Medien) hat über "Presse und Digitale Revolution" gesprochen, aber auch die Kampagne zur Darmkrebs-Früherkennung erläutert. Das Thema von Dr. Heinrich von Pierer (Siemens) war "Industrie und Digitale Revolution". In der Abschlussveranstaltung sprach der ehemalige Bundespräsident Prof. Roman Herzog über "Gesellschaft und Digitale Revolution".
Für die Chirurgie ist Digitale Revolution im Wortsinne "handfest". Nicht nur, dass Informationsverknüpfung und Robotik helfen, Operationen zu optimieren. Jede chirurgische Maßnahme wird auch transparent, jedes Ergebnis objektivierbar. "Aus der chirurgischen Kunst ist eine messbare Naturwissenschaft geworden, sagte Siewert. Aber nicht die Faszination des technisch Möglichen, sondern der Nutzen für Patienten stehe im Zentrum. Computer im Operationssaal könnten den Operateur unterstützen, aber nicht ersetzen. Der Chirurg sei nicht mehr "charismatischer Heiler", sondern müsse sich im "Wettbewerb aller Therapieprinzipien" bewähren.
Auf großes Interesse stieß die Ausstellung "High-Tech hilft heilen". Der Themenpark zeigte neue Anwendungsgebiete von high-tech in der Medizin. Die Chancen, aber auch die potentiellen Risiken künftiger Entwicklungen waren für die Besucher sinnlich erlebbar. Zum Beispiel wurden die Nutzung der Robotik und der computer-assistierten Chirurgie an interaktiven Exponaten dargestellt.
Neuer Präsident der Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) für die Amtsperiode 2002/2003 ist Prof. Dr. Norbert P. Haas, Leiter der Unfallchirurgie an der Charité (Campus Virchow-Klinikum). Er tritt das Amt zum 1. Juli dieses Jahres an. Zu seinem Nachfolger für die Amtsperiode 2003/2004 hat die DGCH jetzt in Berlin Prof. Dr. Bernward Ulrich (Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus Gerresheim in Düsseldorf) gewählt. Nachfolger von Prof. Dr. Wilhelm Hartel als Generalsekretär der Gesellschaft wurde Prof. Dr. Hartwig Bauer (Chirurgische Abteilung, Krankenhaus Alt/Neuötting).
Zum Abschluss seiner Amtszeit als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie erklärte Prof. Siewert, er habe unter anderem großen Wert darauf gelegt, alle chirurgischen Fachgesellschaften unter dem Dach der DGCH zu vereinen sowie darauf, das Selbstverständnis der Chirurgie wieder zu betonen: Seit ihrer Gründung vor 150 Jahren war die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie eine wissenschaftliche Vereinigung mit der Aufgabe, Verantwortung für das Fach Chirurgie (also nicht für Berufspolitik) zu übernehmen und den medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn in praktisches Handeln umzusetzen.
Sorge bereitet Prof. Siewert die Situation der klinischen Forschung in Deutschland, "die derzeit von allen Seiten schlecht geredet wird". Zwar gebe es Probleme in dem Teilbereich der"Klinischen Studien", aber die Leistungen der Grundlagen- und krankheitsorientierten Forschung seien weit besser als ihr Ruf und weltweit anerkannt. Um vorhandene Lücken zu schließen, bedürfe es gezielter Förderung und einer besseren Infrastruktur. "Nicht immer geht es dabei um mehr Geld", sagte Siewert, "sondern oft um eine zielgerichtetere Verwendung der Mittel".
Pressekontakt Chirurgie 2002:
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