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Diagnostik und Therapie: Ultraschall bei Magen-Darm-Krankheiten

Pressetext von Prof. M. J. Gebel, Hannover
Ein nennenswerter Teil von Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes lässt sich zugegebenermaßen nur mit Hilfe einer durch einen Schlauch eingeführten Minikamera (Endoskopie) diagnostizieren und gegebenenfalls behandeln. Ein in letzter Zeit besonders bekannt gewordenes Beispiel dafür ist die Untersuchung auf Dickdarmkrebs. Darüber wird jedoch oft vergessen, dass der Ultraschall (Sonographie) in vielen anderen Fällen von Magen- oder Darmkrankheiten das am besten geeignete Verfahren ist. Einer der Vorteile: Wenn es notwendig ist, kann eine solche Untersuchung täglich wiederholt werden – etwa zur Verlaufskontrolle –, da es sich um eine nicht eingreifende und mit keiner Strahlenbelastung einher gehende Technik handelt. Ferner sind zum Beispiel "Schlüssellochoperationen" nur unter Ultraschall-Kontrolle möglich. "Revolutionär", wenngleich nur für bestimmte Fälle geeignet, ist auch die Erfindung der "Videokapsel". In jedem Fall gilt auch auf dem Gebiet der Gastroenterologie: Der Erfolg der Sonographie hängt von guter Ausbildung und Erfahrung der Ärzte sowie von dem Einsatz der richtigen Geräte ab.

Der Magen-Darm-Trakt besteht aus Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm, Dickdarm (Kolon), Krummdarm und Mastdarm. Bei Erkrankungen, bei denen die Luft oder das Gas aus dem Innenraum des Darms durch entzündliches Sekret und Schwellung der Darmwand verdrängt wird, ist die Sonographie wichtigstes Diagnoseinstrument. Ähnliches gilt bei Tumoren, die zunächst in der Wand des Darms nach Aussen und so in die Bauchhöhle wachsen. Typische Beispiele sind der Morbus Crohn (eine chronische Entzündung, überwiegend im Dünndarm, mitunter aber in allen Abschnitten des Verdauungstraktes), die Divertikulitis (eine ebenfalls unangenehme Entzündung von Aussackungen der Dickdarmwand), die Blinddarmentzündung sowie der Dünndarmkrebs.
Der Morbus Crohn befällt überwiegend junge Menschen. Komplikationen sind die Ausbildung von Fisteln, Abszessen und Stenosen (Einengungen). In neueren Studien konnte gezeigt werden, dass die Sonographie das geeignetste Verfahren zur Verlaufskontrolle dieser Erkrankung und zur Entdeckung ihrer Komplikationen ist. Damit entfällt hier (bis auf wenige Ausnahmen) eine der strahlenbelastendsten Diagnostechniken, die Röntgenuntersuchung des Dünndarms.
Die Blinddarmentzündung wird meist vom Arzt allein aufgrund der klinischen Anzeichen diag-nostiziert. In 20 bis 30 Prozent der Fälle sind die Symptome jedoch nicht so eindeutig. Hier stellt die Sonographie die richtige Diagnose mit hoher Sicherheit, da sie auch andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Zeichen (wie Entzündung des Dünndarm oder des inneren Genitales der Frau) unterscheiden kann.
Eine weitere Domäne der Sonographie ist die Diagnose und die Abheilungskontrolle der akuten Divertikulitis, die – wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird – zur Durchlöcherung der Darmausstülpungen und damit zu einer lebensbedrohlichen Krankheit führen kann.

Der Ultraschall dient aber nicht nur der Diagnostik, sondern auch dazu, minimalinvasive therapeutische Maßnahmen zu dirigieren oder überhaupt erst möglich zu machen. Das liegt daran, dass das zu untersuchende Areal in Echtzeit und permanent betrachtet werden kann. Beispiele in der Gastroenterologie sind die Ableitung von Abzessen durch ultraschallgeleitete Drainagenanlage oder die Anlage von Ernährungskathetern im Magen oder oberen Dünndarm, wenn die Speiseröhre komplett verlegt ist (etwa bei Tumoren) und die Patienten sonst verhungern und verdursten müssten. Dem Patienten wird so mit Ultraschall ein weitgehend normales Lebens möglich.

Bei anderen Magen-Darm-Krankheiten hingegen spielt die Sonographie keine praktische Rolle. Da der gesunde Magen und Darm durch verschluckte Luft oder durch den Verdauungsvorgang häufig sehr viel Gas enthält, ist eine kontinuierliche sonographische Untersuchung hier kaum möglich. Das gilt zum Beispiel für Magengeschwür und Magenkarzinom. Auch die Untersuchung auf Dickdarmkrebs oder auf seine meist behandelbaren Vorstufen (Polypen) ist die Domäne der Dickdarmspiegelung (Koloskopie) mit Gewebeprobeentnahme.

Erkrankungen, die jenseits des Zwölffingerdarms und vor Beginn des Dickdarms gelegen sind, sind jedoch auch der Endoskopie nicht zugänglich. Diese Lücke könnte durch die "Videokapsel" – eine Erfindung aus Israel – gefüllt werden. Die vom Patienten zu schluckende Kapsel, etwas größer als zum Beispiel Antibiotika-Kapseln, enthält zwei Kameras, die bei ihrem Weg durch den Dünndarm jede Minute eine Blitzlichtaufnahme machen und diese an einen externen Rekorder übertragen. Es liegt auf der Hand, dass es sich hier um ein sehr teures, wenngleich in der Zukunft für Spezialfälle möglicherweise effektives Verfahren handelt. Bis auf Ausnahmen verweigern die Krankenkassen heute noch die Kostenübernahme. Die Videokapsel-Technik steht – sinnvollerweise – auch nur in hochspezialisierten Endoskopie-Zentren zur Verfügung.

Ultraschall des Magen-Darm-Traktes gehört zu den anspruchsvollsten Anwendungen der Sonographie überhaupt.

Sie setzt eine gute Ausbildung (DEGUM Stufe II, siehe Pressetext von Dr. Worlicek, 8.10.04) und qualitativ hochwertiges Gerät mit hochauflösenden Sonden voraus. Wenn dies nicht berücksichtigt wird, kommt es – wie bei allen Methoden – zu sehr unterschiedlichen qualitativen Ergebnisse. So hat eine Studie an chirurgischen Kliniken leider ergeben, dass bei der Diagnose der Blinddarmentzündung die Genauigkeit zwischen 13 und 98 Prozent schwankte.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Michael J. Gebel
Medizinische Hochschule Hannover
Abt. Gastroenterologie
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel.: (+49) (+49) 0511/532-3415, Fax:-4896
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