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Ultraschall in Anästhesie und Intensivmedizin

Pressetext von PD Dr. Th. Grau, Heidelberg
Die Ultraschalltechnik ist heute anerkannt als modernes, schonendes und sehr effektives Bildgebungsverfahren. Mit ihr ist es möglich, auch vor, während und nach Operationen wichtige Informationen von und damit für Patienten zu gewinnen. Durch die inzwischen hervorragende Qualität der Sonografie ist dieses Verfahren auch für die Anästhesie und Intensivmedizin geeignet. Die Entwicklung mobiler Systeme in der Größe eines Laptops ermöglicht es zudem, Ultraschall bei der Narkoseeinleitung und in OP-Sälen, aber auch außerhalb anzuwenden: Nicht mehr der Patient muss zum Gerät, sondern das Ultraschallgerät kommt zum Patienten.

Um das Fachgebiet Anästhesie und Intensivmedizin in Bezug auf die Ultraschallunterstützung weiter entwickeln zu können, wurde eine Arbeitsgemeinschaft (Sektion) innerhalb der DEGUM gegründet, die sich erstmals beim 28. Dreiländertreffen der Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin vom 6.-9. Oktober 2004 in Hannover (Kongress "Ultraschall 2004") präsentiert. Diese Sektion soll sich um die wissenschaftliche Entwicklung dieses Gebiets, die Koordination von Studien und die Aus- und Weiterbildung der Ärzte kümmern.

Die Entwicklung multifunktionaler, mobiler Systeme erweiterte das Anwendungsspektrum. Ultraschallgeräte in der Größe eines Laptops können heute die Funktionen modernster Ultraschallgeräte abdecken. Diese Laptops sind im Rahmen einer Narkoseeinleitung, in Operationssälen, auf Intensivstationen und in Außenbereichen einsetzbar, leicht transportabel und variabel verwendbar. Damit wird ein enormer Vorteil für die klinische Anwendung erreicht, da eine Reihe von hochwertigen Untersuchungen direkt am Patienten möglich ist.

Der Einsatz der Ultraschalltechnik im Bereich der Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin umfasst kardiologische Untersuchungsmethoden (z. B. Echokardiografie), die sonografische Darstellung von Strukturen im Bauchraum und Brustkorb sowie als neuen Anwendungsbereich die Abbildung von Gefäßen und Nerven zur Verbesserung der Punktionsbedingungen bzw. der Blockadequalität.

Mit kardiologischen Untersuchungsgeräten können die Herzfunktion, die Beweglichkeit des Herzmuskels und die Fließgeschwindigkeit des Blutes untersucht werden. Hierfür stehen verschiedene Schallsonden zur Verfügung. Mit diesen Systemen ist neben der Erfassung von Werten zur Herz- und Klappenfunktion auch die zeitnahe Berechnung von relevanten Kreislaufwerten möglich. Hieraus resultieren Vorschläge und Verbesserungen für therapeutische Verfahren. Ferner können der Einsatz von Medikamenten optimiert und operative Änderungsmaßnahmen abgeleitet werden.

In der Notfallmedizin lassen sich sonografisch Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum oder im Brustkorb erkennen und frühzeitig einer notwendigen adäquaten Behandlung zuführen. In der Intensivmedizin kann die Ultraschalltechnik die Anwendung anderer Bildgebungsverfahren ersetzen und die Intensivtherapie verbessern. Mit Hilfe der Ultraschalltechnik lassen sich schnell Informationen über die Wandbeweglichkeit des Herzens, über die Herzleistung, die Atemmechanik und die Nierenfunktion erfassen. Ferner können Flüssigkeitsansammlungen untersucht und ggf. zeitnah behandelt werden.

Ultraschallunterstützte Techniken ermöglichen die Anwendung von gezielteren und schonenderen Punktionsverfahren in verschiedenen Bereichen der Anästhesie und der Intensivmedizin. Hierbei sind insbesondere die gezielte Punktion von Gefäßen und die exakte Durchführung einer Nervenblockade als ein neues Anwendungsfeld zu nennen.
Da bei diesen Verfahren detailgenaue anatomische Grundkenntnisse über den Punktionsweg und seine genaue Planung wesentliche Faktoren für die Anwendung von risikoarmen und nebenwirkungsfreien Punktionen darstellen, ist der Einsatz dieser Techniken sowohl für die Patienten als auch für die Anästhesisten ein deutlicher Fortschritt. Auch die enorme Variabilität der Strukturen beim Menschen und individuelle Besonderheiten müssen bei den Punktionsverfahren berücksichtigt werden und sind durch die Ultraschalltechnik abbildbar. Die ultraschallunterstützte Punktion ist daher einer ãblindenÒ Punktion überlegen. Dies zeigte sich mehr oder weniger deutlich in zahlreichen Untersuchungen für Gefäßpunktionen. Im letzten Jahr wurde erstmals eine Metaanalyse durch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (NHS) vorgestellt, die auf der Grundlage der Evidenz-basierten Medizin eindeutige Vorteile der ultraschallunterstützten Gefäßpunktion gegenüber der ãblindenÒ Punktion zeigen konnte. Die Umsetzung dieses Verfahrens beinhaltet nicht nur positive Aspekte hinsichtlich der Komplikationen sowie der Patientenzufriedenheit sondern auch wirtschaftliche Vorteile, was vor dem Hintergrund knapper Ressourcen im Gesundheitssystem nicht unbedeutend ist.

Mit der Entwicklung neuer Ultraschallsysteme konnte die Anwendung von Ultraschalluntersuchungen als Hilfsmittel bei der Durchführung von Nervenblockaden in den letzten Jahren entwickelt werden. Die Ultraschallunterstützung ermöglicht sowohl die exakte Lokalisation von Strukturen als auch die gezielte Blockade von Nervenbahnen mit örtlichen Betäubungsmitteln. Bemerkenswert ist hierbei insbesondere, dass die Verteilung der Medikamente am Zielort tatsächlich zu beobachten ist. Dadurch kann die Wirkung besser abgeschätzt, die Komplikationsrate vermindert, die Blockadequalität verbessert und die Patientenzufriedenheit erhöht werden. Nicht zuletzt ermöglicht die Ultraschallunterstützung durch die visuelle Darstellung eine bessere Überwachung und Anleitung bei der Aus- und Weiterbildung von Anästhesisten im Bereich der Regionalanästhesie.

Verschiedene europäische Arbeitsgruppen erforschen den Einsatz bildgebender Techniken zur Verbesserung von Nervenblockaden. Unter anderem untersuchen Wissenschaftler der Universität Wien ultraschallunterstützte Nervenblockaden der oberen und unteren Gliedmaßen bei Erwachsenen. Wissenschaftler der Universitäten Heidelberg und Heidelberg-Mannheim erforschen rückenmarknahe Nervenblockaden und Nervenblockaden der Gliedmaßen bei Kindern und Erwachsenen. Klinische Entwicklungen und Verbesserungen der Methoden zielen auf eine Verbesserung der Blockadequalität und der Sicherheit der verschiedenen Verfahren und der Patientenzufriedenheit. Hier konnten deutliche Verbesserungen erzielt werden.

Ansprechpartner:
Priv. Doz. Dr. med Thomas Grau
Facharzt für Anaesthesiologie und Notfallmedizin
Klinik für Anaesthesiologie, Universitätsklinikum Heidelberg
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Darstellung einer Ultraschallgezielten Nervenblockade bei einem Kind, neben den detailgenauen Darstellungen von Gefäßen und Nerven ist auch die Darstellung des verabreichten Medikamente möglich.

 
 
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