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Katze, Hund, Pferd
Ultraschall in der Tiermedizin
Pressetext von Prof. Cordula Poulsen Nautrup, München

Die Ultraschalluntersuchung ist das wohl wichtigste klinisch-bildgebende
Diagnoseverfahren in der Veterinärmedizin.
Eine Ursache hierfür ist die schwierige Kommunikation zwischen Tier und
Mensch. Unsere Patienten, die Tiere, können sich nur schlecht verständlich
machen, werden oft von den Menschen missverstanden und haben im Allgemeinen
vor uns Tierärzten große Angst, denn schließlich geben wir ihnen die schmerzhaften
Spritzen bei den Impfungen.
Ein in der tierärztlichen Praxis alltägliches Beispiel verdeutlicht die
Wichtigkeit einer Ultraschalluntersuchung: Eine Hauskatze, die normalerweise
fast den ganzen Tag auf dem Sofa liegt, lässt nicht erkennen, dass sie
sich schlapp und krank fühlt. Erst wenn sie das Fressen einstellt, fällt
dem Besitzer auf, dass etwas nicht stimmt. Beim Tierarzt ist die Katze
so aufgeregt, dass das Abtasten des Bauches nur zu heftigen Abwehrbewegungen
führt. Das Abhören des Herzens ist ebenfalls problematisch, da der Puls
einer genervten Katze mit ungefähr 200 Schlägen pro Minute dreimal so
schnell wie der eines Menschen ist. Erst die Ultraschalluntersuchung bringt
Klarheit über den Zustand der Katze. Es handelt sich in diesem Fall nicht
um eine Verdauungsstörung, die zur Futterverweigerung führte, sondern
um eine schwere Herzerkrankung.
Andere klinisch-bildgebende Untersuchungsmethoden wie die Magnetresonanztomografie
(MRT) und die Computertomografie (CT), die beim Menschen gern eingesetzt
werden, sind in der Veterinärmedizin nur eingeschränkt nutzbar,
weil die Tiere für diese Untersuchungen in Narkose gelegt werden müssen.
Die Ultraschalluntersuchung dagegen gelingt fast immer bei wachen
Tieren. Selbst aufgeregte Tiere beruhigen sich schnell bei der "streichelnden
Bewegung" des Schallkopfes auf der Haut.
Die Bedeutung der Ultraschalluntersuchung in der Tiermedizin wird auch
dadurch deutlich, dass nicht nur große Tierkliniken Ultraschallgeräte
besitzen, sondern auch sehr viele kleine Praxen. Aufgrund der Wichtigkeit
der Untersuchung sind zudem die meisten Besitzer gern bereit, die Ultraschalluntersuchung
selbst zu bezahlen, denn für kaum ein Tier wird eine Krankenversicherung
abgeschlossen.
In der Tiermedizin können fast alle Tierarten mit Ultraschall untersucht
werden. So gehören beispielsweise Kanarienvögel, Fische, Mäuse und
Elefanten genauso zu den zu schallenden Patienten wie Katzen, Hunde, Pferde
und Rinder. Auf den ersten Blick scheint das unmöglich, denn dem Tierarzt
stehen nur die Ultraschallgeräte zur Verfügung, die für den Menschen entwickelt
wurden. Aber mit einigen Tricks, viel Können und Erfahrung gelingt es
der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Ein gegenteiliges Problem tritt bei der Ultraschall-Trächtigkeitsfeststellung
bei Großtieren wie Pferden und Rindern auf. Bei diesen Tieren sind die
Feten so weit vom Schallkopf entfernt oder kurz vor der Geburt selbst
so groß, dass keine umfassende Ultraschalluntersuchung des ungeborenen
Tieres möglich ist. Also kann auch keine Aussage über das Geschlecht oder
über eventuelle Missbildungen getroffen werden. Bei Hund und Katze ist
die Größe für eine Ultraschalluntersuchung während der Trächtigkeit zwar
ideal, doch beide Tierarten bringen viele Jungtiere zur Welt. So ist ein
Wurf mit mehr als zehn Welpen bei großen Hunden keine Seltenheit. Beim
Versuch jeden einzelnen Fetus im Muttertier auf Geschlecht oder körperliche
Unversehrtheit zu untersuchen, wird der Tierarzt oder die Tierärztin schnell
verzweifeln. Da die Gebärmutterhörner mit den darin liegenden, stark zappelnden
Welpen sehr beweglich sind und ständig ihre Lage verändern, weiß der Untersucher
schon nach kürzester Zeit nicht mehr welchen Fetus er bereits gesehen
hat und welchen nicht.
Die Einsatzgebiete des Ultraschalls in der Tiermedizin entsprechen
denen der Humanmedizin. Außer zur Erkennung und Überwachung von Trächtigkeiten
dient die Ultraschalluntersuchung dazu, viele Erkrankungen fast aller
Organsysteme schnell, sicher und mit geringer Beunruhigung der Tiere zu
diagnostizieren. Das gilt für ausgewachsene Tiere genauso wie für
Tierkinder.
Aber es gibt ein zusätzliches sehr wichtiges Einsatzgebiet ausschließlich
in der Veterinärmedizin die Zuchtuntersuchungen. Hier werden völlig
gesund erscheinende Hunde und Katzen geschallt, wenn sie zur Zucht zugelassen
werden sollen.
So ist beispielsweise bei einigen Hunderassen die Aortenstenose, eine
Verengung am Ursprung der Körperhauptschlagader im Herzen, weit verbreitet.
Diese angeborene Veränderung ist beim Hund nicht heilbar und kann zu einem
frühen plötzlichen Tod oder schweren Krankheitssymptomen mit deutlicher
Verminderung der Lebensqualität des Hundes und damit auch des "mitleidenden"
Besitzers führen. Andere Hunde jedoch, die nur eine geringe Einengung
haben, werden ohne sichtbare Leistungsminderung alt, vererben aber eventuell
die Erkrankung an ihre Nachkommen. Manche Tiere der nachfolgenden Generationen
haben viel schwerere Veränderungen und erkranken stärker als ihre Eltern.
Es gibt derzeit keine Möglichkeit, diese Erkrankung durch genetische Tests
festzustellen. Deshalb müssen die Hunde jener Rassen, die eine Neigung
zu dieser Erkrankung haben, vor ihrem Zuchteinsatz mit Ultraschall untersucht
werden. Eine Einengung der Aorta führt zu einer mit dem Ultraschall-Dopplerverfahren
messbaren Geschwindigkeitserhöhung des Blutflusses in die Aorta. Hunde,
die solche erhöhten Geschwindigkeiten aufweisen, werden von der Zucht
ausgeschlossen. Auf diese Weise wird innerhalb einiger Generationen das
Auftreten einer derartigen Erkrankung stark verringert.
Ultraschall in der Tiermedizin ist eine spannende Untersuchungsmethode,
die hilft, durch eine frühzeitige und richtige Diagnose viel Leid der
Tiere (und ihrer Besitzer) zu verhindern oder zu lindern.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Cordula Poulsen Nautrup
Tieranatomie I
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veterinärstraße 13, 80539 München
Tel: 089/21803294
E-MAIL
Das obige Foto zeigt einen ausgewachsenen Madagaskar-Igel (Tenreck) , bei
dem eine Ultraschalluntersuchung klären soll, ob er trächtig (=schwanger)
ist. Der Schallkopf, der für Untersuchungen beim Menschen konzipiert wurde,
ist fast genauso groß wie der kleine Igel selbst.
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