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DGPPN Kongress 2004
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
ICC Berlin, 24. bis 27. November 2004
Seelische Erkrankungen deutlich besser behandelbar
Versorgungslage ist aber noch unzureichend
Deutscher Psychiatrie- und Psychotherapiekongress mit 4.000 Teilnehmern
in Berlin eröffnet
Berlin, 24.11.2004 Mit über 4.000 Teilnehmern ist am Mittwoch
im ICC Berlin der Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) eröffnet worden. Dies ist nicht
nur ein Rekord für die DGPPN es handelt sich auch um den größten deutschsprachigen
Kongress zur Psychiatrie und Psychotherapie, der jemals stattgefunden
hat.
Psychische Erkrankungen haben bereits in den letzten Jahren zugenommen
und stellen sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitswesen
eine hohe Belastung dar. Dieser Trend wird sich angesichts der demographischen
Entwicklung noch verstärken.
Die Meinung aber, im Gegensatz zu körperlichen könnten seelische Krankheiten
nicht oder nur schlecht behandelt werden, ist falsch. Sowohl psycho- und
sozialtherapeutische als auch medikamentöse Therapien wurden in den letzten
Jahren immer zielgerichteter und erfolgreicher.Einen Mangel hingegen
stellen die Experten in der Versorgungssituation fest: Seelische Erkrankungen
werden zum Beispiel bei Hausärzten oft zu spät festgestellt oder von
Betroffenen aus Angst vor Diskriminierung nicht offenbart. Ferner haben
wissenschaftliche Studien gezeigt, dass die Behandlungsmaßnahmen oft unzureichend
sind. Die Zahl der niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie
und Psychotherapie ist, gemessen am Bedarf, bei weitem zu niedrig, so
dass viele Menschen nicht die Hilfe erfahren, die möglich wäre. Die Vernetzung
mit Allgemeinmedizinern sowie mit ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten
ist ebenfalls noch unzureichend. Im Allgemeinkrankenhaus werden viele
Patienten zum Beispiel mit Suchterkrankungen wegen körperlicher Symptome
therapiert, die Sucht jedoch nicht erkannt oder behandelt. Die Folge ist
hier ein "Drehtüreffekt". Hingegen haben Ärzte für Psychiatrie, Psychotherapie
und Nervenheilkunde Behandlungsleitlinien und Qualitätssicherungsmaßnahmen
eingeführt.
Verschärft wird die Situation für Menschen mit seelischen Krankheiten
durch gesellschaftliche Ausgrenzung ("Stigma"). Die DGPPN wird heute daher
auch den Startschuss für ein nationales "Anti-Stigma-Programm" zusammen
mit anderen Organisationen und unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin
Ulla Schmidt geben.
Für viele überraschend, aber wissenschaftlich längst gut belegt ist
die Tatsache, dass Früherkennung nicht nur bei körperlichen, sondern genauso
auch bei vielen seelischen Krankheiten hilft. Dabei gibt es oft schon
Jahre vor dem "Krankheitsausbruch" unterschwellige Anzeichen auf ein erhöhtes
Risiko, psychisch zu erkranken. Nicht zuletzt deswegen widmet sich die
DGPPN verstärkt der öffentlichen Aufklärung. Im Rahmen des Jahreskongresses,
der bis zum Samstag, dem 27. November läuft, bietet die Fachgesellschaft
einen am Mittwoch "Schülerkongress" sowie eine kostenlose Informationsveranstaltung
für die Bevölkerung am Freitag an. Für Betroffene und Angehörige gibt
es zudem "Trialog"-Forum.
Präsident des Kongresses ist Prof. Wolfgang Maier (Bonn),
Präsident der DGPPN ist Prof. Mathias Berger (Freiburg).
Pressekontakt:
MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: 030/803 96-86; Fax: -87
E-MAIL
Das Programm umfasst mehr als 200 Veranstaltungen. Wissenschaftliche
und Praxis-Symposien werden ergänzt durch Plenarvorträge, durch "State
of the Art"-Symposien für jede psychische Erkrankung, durch die Fortbildungs-
und Weiterbildungsakademie, durch Informationsveranstaltungen zu aktuellen
Versorgungsfragen und durch eine gesundheitspolitische Diskussion am Psychiatertag.
Die inhaltliche Breite des Kongresses spiegelt sich in den Hauptthemen:
"Genetischen und Umweltfaktoren in der Krankheitsentstehung", "Evidenzbasierten
Psychotherapie" und "Neuentwicklungen in der Versorgung psychisch Kranker",
vor allem in Bezug auf die "Integrierte Versorgung".
Sonderveranstaltung hierzu
Ein Plenarvortrag stellt zudem die Wirkung der Psychotherapie in der funktionellen
Bildgebung des Gehirns dar.
Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Teilnehmerzahl um 50 Prozent gesteigert
werden. Aufgrund seiner inhaltlichen Spannbreite und der hohen Qualität
des Vorjahreskongresse übt der DGPPN-Kongress eine starke Anziehungskraft
auf Therapeuten und Wissenschaftler aus, die im Bereich psychischer Erkrankungen
arbeiten. Deren hohe Relevanz und der medizinische und gesundheitspolitische
Innovationsbedarf in diesem Feld wird zunehmend wahrgenommen. Dabei ist
der DGPPN-Kongress zum deutschsprachigen Kommunikationsmittelpunkt für
Neuentwicklungen in der Therapie und Versorgung psychisch Kranker für
die Fort- und Weiterbildung der Therapeuten und für kontroverse Diskussionen
zu praktischen Behandlungsfragen geworden. Dem Kongress kommt die wichtigste
Transferfunktion von wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Innovationen
im Bereich psychischer Erkrankungen in die Behandlungs- und Versorgungspraxis
zu.
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