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Massenuntersuchungen auf Brustkrebs wie die Pathologie hilft
89. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie Wuppertal,
18. 21. Mai 05
Pressetext von Prof. Werner Böcker, Münster
Das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm als Leistung
der gesetzlichen Krankenkassen ist bisher erst in Modellregionen umgesetzt,
wird aber bundesweit ausgedehnt. Die Untersuchungen dürfen nur von
besonders qualifizierten Arztgruppen vorgenommen werden. Wenn die Röntgendarstellung
der weiblichen Brust (Mammographie) Auffälligkeiten zeigt, muss eventuell
ein kleines Stückchen Gewebe entnommen werden, um festzustellen,
ob ein Tumor vorliegt oder nicht. Dieses erfolgt durch Pathologinnen und
Pathologen. Wie bei allen Untersuchungen auf Krebs gilt auch hier: Brustkrebs-Früherkennung
sowie gegebenenfalls die Weichenstellung für eine bestmögliche
Behandlung ist ohne die Pathologie nicht möglich!
Für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr stellt
die Mammographie eine der effektivsten Methoden zur Erkennung eines Mammacarcinoms
(Brustkrebs) dar. Mit ihr werden auch Knoten erfasst, die zu klein sind,
um sie beim Abtasten der Brust zu erkennen. Auf Grund eines Beschlusses
des Deutschen Bundestages wird daher die bevölkerungsbezogene Massenuntersuchung
(Screening) eingeführt. Ziel ist es, die Sterblichkeit an Brustkrebs
in Deutschland in der genannten Altersgruppe um 25 bis 30 Prozent zu senken.
Alle zwei Jahre wird diese Mammographie, zu denen Frauen eine "Einladung"
erhalten, von den Krankenkassen bezahlt.
Geht man von einer Beteiligung von 70 Prozent aus, so werden
bei bundesweiter Ausdehnung des Mammographie-Screenings pro Jahr drei
Millionen Frauen untersucht. Von diesen zeigen nach statistischer Erfahrung
etwa sieben Prozent Auffälligkeiten, die durch verschiedene zusätzliche
Untersuchungen abgeklärt werden müssen. Letztlich muss bei zwei
Prozent der Frauen der Verdacht auf einen bösartigen Tumor ausgeschlossen
oder erhärtet werden. Dazu wird schonend und ohne chirurgischen
Eingriff mit Hilfe einer Nadel Gewebe aus dem verdächtigen
Herd gewonnen (Biopsie) und untersucht.
Eine solche Gewebeuntersuchung (Histologie) wird jährlich
für schätzungsweise 60.000 Frauen notwendig sein. Bei drei von
vier Frauen (das sind 1,5 Prozent der Mammographierten) ergibt diese Diagnostik
erfahrungsgemäß einen gutartigen Befund. Nur bei 0.5 Prozent
der insgesamt untersuchten Frauen (also etwa 15.000 pro Jahr) wird letztendlich
ein Brustkrebs festgestellt. Aber auch für sie gibt es eine gute
Nachricht: Sehr häufig wird bei der vorsorglichen Massenuntersuchung
eine Vorstufe oder ein Brustkrebs in einem so frühen Stadium und
ohne Tochtergeschwülste (Metastasen) entdeckt, dass die Heilungschancen
sehr gut sind.
Der Erfolg des Früherkennungs-Programms hängt
wesentlich von der Qualität der am Screening beteiligten Fachärzte
(vor allem: Radiologie, Pathologie, Gynäkologie) ab. Unter anderem
dazu sind für Deutschland fünf Referenzzentren* beschlossen
worden. Darüber hinaus sind die Pathologie-Befunde Grundlage der
Qualitätskontrolle für das Gesamtprogramm.
Bei den in der Mammographie gefundenen Verdachtsfällen
stellt der Pathologe die Weichen für das weitere Vorgehen. Gewebsproben
von Frauen, bei denen sich im Screening ein Verdachtsfall ergab, stellen
jedoch für den Pathologen eine besondere Herausforderung dar. Denn
hier sind die "Knoten" häufig nicht tastbar und noch unsichtbar und
somit auch mikroskopisch komplexer und schwerer klassifizierbar. Das belegen
Daten aus den Früherkennungs-Programmen in anderen Ländern.
Korrekte pathologische Diagnosen sind aber unverzichtbar für eine
Entscheidung über das angemessene weitere Management einschließlich
der gegebenenfalls notwendigen Therapie.
Es ist eine Reihe von Maßnahmen geplant, um den hohen
Qualitätsstandart in der Pathologie weiter zu garantieren. Die bisher
vorgesehenen Maßnahmen umfassen die histologische Beurteilung aller
Biopsien durch einen zweiten Experten sowie die intensive inhaltliche
Beteiligung des Pathologen an der Entscheidung des fachübergreifenden
Teams über das weitere Vorgehen. Unabdingbar ist also die enge Zusammenarbeit
zwischen Gynäkologen, Radiologen und Pathologen.
Die Pathologen werden durch Pflichtteilnahme an einführenden und
speziellen Kursen auf diese Aufgaben vorbereitet.
Auf Grund der zentralen Bedeutung der Pathologie im Screening
sind weitere Maßnahmen
° Die Erarbeitung von national angepassten Leitlinien an die Richtlinien
der EU
° Ein kontinuierliches Fortbildungsprogramm zur Screening-Pathologie,
wie es auch in England praktiziert wird
° Die Erfassung der Qualität der Pathologischen Diagnostik und
ihrer bundesweiten Einheitlichkeit
° Ein Beratungsservice für alle kooperierenden Pathologen im
Mammographiescrenning.
Die Deutsche Gesellschaft für Pathologie, die Internationale
Akademie für Pathologie sowie der Berufsverband der Deutschen Pathologen
wollen und werden durch Ihre Aktivitäten zum Erfolg des deutschen
Mammographie-Screenings beitragen.
* Berlin, Bremen, München, Münster und Wiesbaden
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Werner Böcker
und Dr.med. Thomas Decker
Westfälische Wilhelms-Universität
Institut für
Domagkstraße 17
48149 Münster
Tel: (0251) 83-55440; Dr. Decker: -55444; Fax: -55460
Mail
PRESSE-Kontakt:
MWM-Vermittlung J. Westhoff
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel: (030) 803 96-86, Fax: -87
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