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Brustkrebs: Neue Heilmethoden – die Rolle der Pathologie

89. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie Wuppertal, 18. – 21. Mai 05

Pressetext von Prof. Hans H. Kreipe, Hannover

Beim Mammacarcinom (Brustkrebs) gibt es – neben und nach der Operation – neue, vielversprechende und gezielt auf die einzelne Patientin ausgerichtete Behandlungsmethoden. Dazu gehören Chemotherapie, Hormontherapie und Immuntherapie. Doch nicht jede Behandlungsform schlägt bei allen Betroffenen an. Hinzu kommt, dass mit allen wirksamen Therapien unweigerlich auch unerwünschte Wirkungen verbunden sind. Verständlicherweise wünschen brustkrebskranke Frauen, nur mit einer Methode behandelt zu werden, die auch Erfolg verspricht – und dass auch nur, wenn es wirklich notwendig ist.
Dafür liefert die Analyse der Gewebeprobe durch Pathologinnen und Pathologen entscheidende Hinweise.
Zunächst geht es um die Beurteilung des individuellen Risikos: Die Diagnose "Krebs" allein sagt noch nicht, wie lebensgefährlich die Erkrankung für die einzelne Patientin sein wird. 70 Prozent der Patientinnen mit unbefallenen Lymphknoten werden allein durch die Operation dauerhaft geheilt und bedürfen keiner weiteren Therapie. Die zentrale Herausforderung besteht darin, heraus zu finden, ob eine Patientin zu der Risikogruppe von 30 Prozent gehört, deren Krebserkrankung trotz kompletter operativer Entfernung weiter voranschreiten würde, wenn sie nicht zusätzlich behandelt wird.
Zwar gibt es noch keine absolut sicheres Vorgehen, den "Hochrisikotyp des Mammacarcinoms" fest zu legen. Doch der Pathologe sammelt Indizien, die ein erhöhtes Risiko anzeigen. Neben dem mikroskopischen Erscheinungsbild werden dazu biologische Eigenschaften des Tumors analysiert wie zum Beispiel die Zellteilungsrate. Ferner wurden in den letzten Jahren Gene bekannt, von deren Aktivität der Verlauf einer Krebserkrankung abhängt. Die Messung der Genaktivität wird zunehmend die Erkennung von Hoch- und Niedrigriskotypen des Mammacarcinoms präzisieren und so eine Individualisierung der Therapie ermöglichen, also eine optimale Anpassung der therapeutischen an die biologische Aggressivität eines individuellen Krebses.
Eine zielgenauere Behandlung bedeutet nicht nur, dass die Minderheit der Patientinnen mit einem Hochrisikokrebs effektiver behandelt werden kann, sondern auch vor allem, dass der Mehrheit der Patientinnen mit einem niedrigen Risiko überflüssige und kostenträchtige Therapien erspart werden können.
Eine zweite vom Pathologen zu klärende Frage neben der nach dem Risikotyp ist die nach der Erfolgsaussicht einer gezielten Therapie. Wie die Achillesferse weisen Tumoren verletzbare Stellen in ihrem komplizierten Stoffwechsel auf, an denen sie tödlich getroffen werden können – trotz aller vermeintlichen "Unverwundbarkeit". Das Mammacarcinom gehört bereits heute zu den Krebsarten, bei denen eine gezielte Therapie möglich ist, die sich die Schwächen einer Tumorzelle zu Nutzen macht. So kann der Pathologe durch Nachweis von Hormonrezeptoren in den Kernen der Brustkrebszellen mit hoher Wahrscheinlichkeit jene Tumoren ermitteln, die auf eine Hormonblockade reagieren. Patientinnen, in deren Tumoren der Rezeptornachweis negativ verläuft, können andere therapeutische Optionen angeboten werden. Dazu gehört eine Immuntherapie mit einem speziell gegen den Krebs gerichteten Antikörper. Ob die Patientin für eine derartige (aufwendige) Therapie geeignet ist, ermittelt ebenfalls der Pathologe, und zwar mit immunhistochemischen und molekularpathologischen Untersuchungsverfahren.
Die Vorhersage der Empfindlichkeit von Tumorzellen gegenüber verschieden Therapieverfahren für eine gezielte Wachstumshemmung steht erst an ihrem Anfang und wird in der pathologischen Tumordiagnostik rasch an Bedeutung zunehmen.
Wegen der großen Bedeutung, die diese Analysen für die Behandlung von Brustkrebspatientinnen haben, hat die Deutsche Gesellschaft für Pathologie gemeinsam mit dem Berufsverband eine Qualitätssicherung durch regelmäßige Ringversuche eingeführt.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Hans H. Kreipe
Medizinische Hochschule Hannover
Institut für Pathologie
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel: (0511) 532-4500; Fax: -5799
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PRESSE-Kontakt:
MWM-Vermittlung J. Westhoff
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel: (030) 803 96-86, Fax: -87
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