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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006
Mehrere Kinder auf einmal – Segen oder Problem?
Presse-Unterlage von Prof. J.W. DUDENHAUSEN, Berlin
Natürlicherweise kommen auf 25 Schwangerschaften eine Zwillingsgeburt
und auf etwa 7.200 Schwangerschaften Drillinge. Aber die Fortschritte
in der Fortpflanzungsmedizin haben diese "Helin´sche Regel"
außer Kraft gesetzt. Seit 20 Jahren steigt der Anteil der Mehrlinge,
sowohl der Zwillinge als auch der Drillinge oder Vierlinge. Fast die Hälfte
der Zwillingseltern verdankt heute ihre Nachkommen der Reproduktionsmedizin.
Mehrlingsschwangerschaften sind mit erhöhten Risiken
verbunden.
Mehrlinge kommen früher zur Welt als Einlinge und sind öfter
mangelentwickelt. Ihre Mütter haben häufiger eine Schwangerschaftshochdruck
(Präeklampsie) und leiden häufiger an den Folgen von Blutungen
nach der Geburt, die manchmal lebensgefährlich sein können.
Darum sollten Mehrlingsschwangerschaften auf jeden Fall in Zentren der
Maximalversorgung beziehungsweise Perinatalzentren betreut werden.
Bereits in der frühen Schwangerschaft kann man durch
Bestimmung der Eihäute über die Risiken und über die Risikoerhöhung
etwas aussagen. Die Ultraschalluntersuchung zeigt, ob die Kinder in einer
gemeinsamen Fruchthöhle heranwachsen oder ob jedes Kind eine eigene
Fruchthöhle hat. Sollten die Kinder eine gemeinsame äußere
Eihaut haben, so können Blutgefäße im Mutterkuchen die
beiden Kinder verbinden. Das ist die gefährliche Situation eines
feto-fetalen Transfusionssyndroms. Jedoch kann man heute dieses Problem
größtenteils mittels Laser gut behandeln. Besonderen Risiken
unterliegen die Kinder, die in einer Eihaut heranwachsen. Sie haben eine
erhöhte intrauterine Sterblichkeit, sie haben wegen der verknoteten
Nabelschnüre auch einen gefährlicheren Weg während der
Geburt. Die Geburtshelfer sind sich deshalb einig, dass solche Kinder
vor dem errechneten Geburtstermin per Schnittentbindung geboren werden
sollten. Bei der Reproduktionsmedizin entstehen in der Regel jedoch Kinder
in verschiedenen Eihüllen, daher gibt es in dieser Hinsicht keine
erhöhten Komplikationsraten.
Da das größte Risiko für Mehrlinge die
Frühgeburt ist, muss man hier Gefahren vor allem durch Vorbeugung
und Früherkennung abwenden. Je früher das Schwangerschaftsstadium
ist, desto höher sind die Risiken für die Kinder. Je mehr Kinder
geboren werden, desto früher ist die Geburt. Nach einer Studie aus
Amerika kommen von 16.000 Drillingen 12.000 lebend nach Hause. Von 180
Fünflingen schafften das nur 35.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Joachim Wolfram Dudenhausen
Charité (CVK/CBF)
Klinik für Geburtsmedizin
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
Tel: 030/4505 56-4072; Fax: -4901
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