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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006
Endometriose – das unterschätzte Frauenleiden
Presseunterlage von Prof. Andreas EBERT, Berlin
Die Endometriose ist eine östrogenabhängige
Erkrankung des Gebärmuttergewebes. Nach den Myomen ist sie die zweithäufigste
gutartige Erkrankung der Frau. Allein in Deutschland sind nach vorsichtigen
Schätzungen mindestens zwei Millionen Frauen von dieser chronischen
Erkrankung betroffen. Über die Ursachen der Endometriose gibt es
verschiedene Theorien. Obwohl sie massive körperliche und seelische
Probleme für die Betroffenen verursacht, wird sie auch in der Forschung
vernachlässigt. Leicht wird eine Krankheit zudem bagatellisiert,
wenn es sich nicht um "Krebs" handelt.
Die wichtigsten Symptome der Endometriose
sind zyklische oder chronische Unterbauchschmerzen, schmerzhafte Monatsblutung,
Schmerzen beim Sexualverkehr, Darmsymptome, Schmerzen bei der Blasenentleerung,
Sterilität, Blutungsstörungen sowie eine auffällige Häufung
"unspezifischer" Symptome. Die Krankheitsanzeichen treten meistens
kombiniert auf.
Behandlungsmöglichkeiten
Bisher gibt es keine die Ursachen beseitigende Therapie
der Endometriose. Die Art der Behandlung muss die individuelle Lebenssituation
und das Alter der Patientin – zum Beispiel bei bestehendem Kinderwunsch
– berücksichtigen. Im Vordergrund steht die Behandlung Endometriose-bedingter
Schmerzen. Zu den Methoden gehören, oft in Kombination, Operationen,
Medikamente sowie weitere, begleitende Maßnahmen.
Es geht darum, Endometrioseherde zu verkleinern, das Fortschreiten der
Krankheit zu stoppen, die Schmerzen deutlich zu verringern und die Gefahr
eines Wiederauftretens zu senken. Nach einer umfassenden Diagnostik ist
jede angemessene Behandlung sehr konsequent anzuwenden. Zu Therapiebeginn
ist meist eine "Schlüssellochoperation" zu empfehlen, bei
der Gewebe für eine genaue Untersuchung entnommen und gleichzeitig
möglichst komplett saniert wird. Für die Hormonbehandlung stehen
verschiedene Substanzen zur Verfügung, etwa reine Gestagenpräparete,
die Gabe der "Antibabypille" ohne Pausen oder neuere Mittel
wie " GnRH-Analoga".
Wenn Endometriosebeschwerden auftreten, jedoch kein Kinderwunsch besteht,
können nach der Operationen problemlos Hormonpräparate gegeben
werden. Wenn die Patientin Kinder bekommen möchte, kann nach entsprechender
Vorbehandlung die Indikation zur "künstlichen Befruchtung"
großzügig gestellt werden – allerdings sollten nicht
zu viele Versuche vorgenommen werden.
Es kommt auch vor, dass (noch) keine Endometriosebeschwerden aufgetreten
sind, sich aber zum Beispiel bei einer Sterilisations-Operation herausstellt,
dass die Krankheit existiert. Dann stehen Patientin und Behandler vor
einem Dilemma: Operationen können zu Verwachsungen oder Verletzungenführen;
eine unbehandelte Endometriose andererseits kann – muss aber nicht
– voranschreiten.
Am Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin ist das erste
Endometriose-Zentrum Deutschlands errichtet worden. Hier kooperiert
die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe mit den Fachkliniken
für Chirurgie, Urologie, Psychosomatik, Schmerztherapie, den Einrichtungen
für Pathologie, Röntgendiagnostik, Physiotherapie, mit dem sozialmedizinischen
Dienst sowie mit Partnern aus dem Bereich Reproduktionsmedizin und mit
niedergelassenen Frauenärzten sowie der Charité. Nicht zuletzt
durch diese fachübergreifende Zusammenarbeit kann die Behandlungsqualität
gesteigert werden.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Dr.phil. Andreas D. Ebert
Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin
Vivantes Humboldt-Klinikum
Am Nordgraben 2, 13509 Berlin
Tel.: 030/4194-1261; Fax: -1262
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