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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006

Infektionen in der Schwangerschaft – Die Beispiele HIV und Cytomegalie-Virus
Presse-Unterlage von Prof. Klaus FRIESE*, München

Gynäkologische und geburtshilfliche Infektionen und die daraus resultierenden vielfachen und oft schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen haben für die Betroffenen erhebliche individuelle körperliche und seelische Konsequenzen. Vor allem die Infektion mit dem AIDS-Auslöser Humanes Immundefekt Virus HIV und dem CMV, dem Virus, das eine Cytomegalie ("Speicheldrüsenviruskrankheit") hervorruft, stellen mittlerweile ein großes medizinisches und auch sozioökonomisches Problem dar.
Die rasante Entwicklung neuer Medikamente gegen das HI-Virus hat in den letzten Jahren – allerdings nur in den Industrieländern – zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität, zur Verlängerung der Lebenserwartung sowie zu einer enormen Reduzierung des Übertragungsrisikos des HIV auf das Ungeborene (Fetus) geführt. Weltweit aber nimmt die HIV-Epidemie (mit über 45 Millionen Infektionen und vier Millionen Neuinfektionen im Jahr 2005) eine erschreckende Dimension an. In Deutschland werden jährlich etwa 200 bis 250 Kinder HIV-infizierter Schwangerer entbunden. Inzwischen beträgt in Deutschland die Häufigkeit der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind (vertikale Infektion) nur noch ein bis zwei Prozent. Insbesondere durch die moderne antiretrovirale Behandlung HAART (Hochaktive Antiretrovirale Therapie) mit mindestens drei unterschiedlichen Medikamenten erhält der Kampf gegen HIV/AIDS weltweit einen neuen Auftrieb.
Allerdings ist die Grundlage jeglicher Prävention der vertikalen Infektion das konsequente Angebot an jede Schwangere, sich – entsprechend den gültigen Mutterschaftsrichtlinien – auf HIV testen zu lassen.
Das humane Zytomegalievirus ist die häufigste Ursache von kindlichen Erkrankungen durch kongentiale (in Zusammenhang mit der Schwangerschaft entstehende) Infektionen. Weltweit werden zwischen 0,2 und 2,3 Prozent der Neugeborenen angesteckt! Rund zehn Prozent der Neugeborene, die im Mutterleib infiziert wurden, haben bei der Geburt entsprechende Symptome, die Hälfte von ihnen wiederum haben teils sehr schwere Erkrankung wie neurologische Auffälligkeiten, Hörverlust, Sprachstörungen, geistiger Zurückgebliebenheit, Tumoren an Leber und Milz und/oder Lungenentzündung. Mehr als 90 Prozent der Überlebenden weisen Spätfolgen auf. Von den Neugeborenen ohne äußere Krankheitsanzeichen haben später dennoch rund zehn Prozent entsprechende Krankheiten. Die CMV-Erstinfektion wird wegen der uncharakteristischen Symptome klinisch selten diagnostiziert.
Für schwangere Frauen mit Verdacht auf akute CMV-Infektion wird die antivirale Therapie derzeit noch nicht empfohlen. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass eine Behandlung von Schwangeren mit einem spezifischen CMV-Hyperimmunoglobulin mit einem deutlich geringeren Risiko einer kongenitalen Infektion des Neugeborenen einherging. Allerdings ist der Wert dieser kostspieligen Maßnahme bisher nicht abschließend zu beurteilen, da entsprechende randomisierte Studien mit größeren Fallzahlen fehlen. Die Planung einer großen europäischen, randomisierten klinischen Studie über die Therapie einer konnatalen (während der Geburt erworbenen) CMV-Infektion mit Hilfe von CMV-Immunglobulin ist mittlerweile sehr weit fortgeschritten.
HIV- und CMV-Infektionen stellen epidemiologisch und gesundheitsökonomisch ein erhebliches Public-Health-Problem dar, wobei die epidemische Dimension von HIV in großen Teilen Afrikas und Asiens extrem Besorgnis erregend ist. Diese Situation, die in Zeiten des Geburtenrückgangs in Europa und Deutschland nicht nur von gesundheitspolitischer, sondern auch von familienpolitischer Bedeutung ist, sollte jedem bewusst sein. Nicht nur die Wissenschaft ist diesbezüglich in der Verantwortung, sondern gleichermaßen die Politik und alle Beteiligten im Gesundheitswesen.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Klaus Friese
Direktor der Frauenklinik der LMU
Innenstadt und Großhadern
Maistraße 11 / Marchioninistraße 15
80337 München / 81377 München
Tel. 089/5160-4101, Fax: -4143
Mail

* mit A. Gingelmaier und I. Mylonas


 
 
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