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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006

Fortschritte der Pränataldiagnostik – schneller und weniger invasiv, Kommunikation und ethische Fragen
Pressedienst von Prof. Wolfgang Holzgreve, Basel

Hintergrund: Seit Einführung der Fruchtwasserpunktion (Amniocentese) in den 70er und der Chorionzottenbiopsie (CVS) in den 80er Jahren haben sich diese Formen der invasiven („eingreifenden“) Pränataldiagnostik weit verbreitet und werden insbesondere auch von der prozentual immer größer werdenden Gruppe von Schwangeren über 35 Jahren in Anspruch genommen.
Nachteile dieser etablierten Methoden sind aber unter anderem:
1. Jeder Eingriff hat trotz der immer besser werdenden Ultraschall-Kontrolle noch ein Risiko für das sich entwickelnde Kind
2. Die bisher erforderlichen Zellkulturen bedingen für die Schwangeren oft sehr belastende Wartezeiten
3. Bisher konnten wenige Risiken gleichzeitig abgeklärt werden und meistens wurden nur Chromosomenstörungen entdeckt.
Durch die Molekulare Medizin gibt es nun große Fortschritte:
Ad 1. Die inzwischen 15-jährige Forschung zur Entwickelung einer nicht invasiven Pränataldiagnostik hat zwar noch nicht zur Möglichkeit einer Chromosomendiagnostik des ungeborenen Kindes aus dem Blut der Mutter geführt, aber aus den DNA-Anteilen des Kindes im Blut der Schwangeren können nun sicher immer mehr wichtige genetische Informationen vom Kind erfasst werden, zum Beispiel:
- Der Rhesus-Faktor des Kindes, der für die Betreuung Rhesus-negativer Schwangerer von großer Bedeutung ist. Fünfzig Prozent der Kinder eines Rhesus-positiven Mannes, der beide Anlagen trägt, sind Rhesus-positiv, die andere Hälfte ist Rhesus-negativ. Die negativen Kinder einer Rhesus-negativen Frau sind im Mutterleib überhaupt nicht gefährdet, während bei Rhesus-positiven Kinder vorbeugend schon in der Schwangerschaft und danach mit Antikörpern behandelt werden muss, um eine lebensgefährdende Blutarmut des Kindes zu verhindern. In über 7.000 Fällen ist nun der Rhesus-Faktor bereits aus dem Blut der Schwangeren sicher bestimmt worden. Ganz nebenbei ist diese Methode kostengünstiger.
- Einige schwere Erbkrankheiten, die entweder von Vätern auf 50 Prozent der Kinder vererbt werden (autosomal dominanter Erbgang) oder bei denen beide Eltern Anlagen tragen, die bei gleichzeitiger Weitergabe des Kindes zu Erkrankungen führen (Compound Heterozygote) können heute bereits über das Blut der Schwangeren erfasst werden.
Ad 2. Durch moderne molekulardiagnostische Techniken (beispielsweise Fluoreszenz-in-situ-Untersuchungen oder quantitative Polymerasekettenreaktion) können heute vorgeburtliche Untersuchungen ohne vorausgehende Zellkulturen vorgenommen werden, so dass sich die Wartezeiten auf das Ergebnis erheblich verkürzen auf wenige Tage.
Ad 3. Immer mehr mögliche Risiken können gleichzeitig abgeklärt werden, etwa durch Gensonden kleinste Chromosomenstörungen und eine Vielzahl von Erbkrankheiten aus kleinsten Gewebsmengen. Hier werden derzeit Genchips entwickelt, mit denen zum Beispiel aus kleinsten Mengen Fruchtwasser oder Chorionzottengewebe erhöhte Risiken einer Frau gleichzeitig in kürzester Zeit abgeklärt werden können.
Ethische Fragen: Die genannten Fortschritte ermöglichen eine schnellere und sicherere vorgeburtliche Diagnostik, aber das Angebot für Schwangere wird dadurch auch größer, komplizierter und bei unprofessioneller Beratung verwirrender. Hier ist im Sinne des Kongressthemas „Kommunikation“ auch eine verstärkte Schulung der Ärzte/innen in den Beratungstechniken gefragt, um die sich die DGGG in Kursen verstärkt bemüht.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Wolfgang Holzgreve
Universitätsfrauenklinik Basel
Spitalstraße 21, CH-4051 Basel
Tel.: +41-61/265 9099; - Fax: -9199
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