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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006

Fehlervermeidung: Was können Frauenärzte von der Luftfahrt lernen?
Presse-Unterlage von Carsten Schmidt, Frankfurt/M.

Seit Beginn der kommerziellen Fliegerei ist man hier immer wieder mit Fehlern und daraus resultierenden Unfällen konfrontiert, die bis heute viele tausend Menschenleben gefordert haben. Unfälle und sicherheitskritische Ereignisse haben für das einzelne Luftfahrtunternehmen gravierende Folgen, da jeder Flugzeugabsturz in den große Medien Aufmerksamkeit findet. Die wichtigsten Punkte zur Vermeidung von Fehlern in der Luftfahrt lassen sich auf die Medizin übertragen.
Die häufigste Unfallursache sind in der Luftfahrt mit etwa 80 Prozent menschliche Fehler. Die von Piloten begangenen Fehler haben dazu geführt, dass man sich in der Luftfahrt speziell mit dem Thema „Human Factor“ auseinandersetzt. Piloten wie auch Ärzte machen Fehler, und das ist ganz normal. Denn wir sind alle nur Menschen, und Menschen dürfen und werden immer Fehler begehen.
Der Umgang mit menschlichen Fehlern benötigt ein Umdenken
In führenden Fluggesellschaften hat ein Umdenken stattgefunden, und es wird ein Menschenbild gelebt, das davon ausgeht, dass hinter einem Fehler kein böser Wille steht, dass niemand absichtlich eine schlechte Arbeit ausführen würde oder absichtlich einen Unfall herbeiführen will.
Das Problem der operativen Konditionierung
Ein unternehmerisches Umdenken ist nur dann erfolgreich, wenn sicherheitsrelevantes Verhalten nicht als Hindernis im Arbeitsprozess angesehen wird. Andernfalls findet eine negative operative Konditionierung statt. Denn Sicherheitsvorschriften werden immer dort vermieden oder beseitigt, wo Mitarbeiter durch die Missachtung von Sicherheitsregeln an Prestige gewinnen können oder sogar dafür belohnt werden – zum Beispiel eine extra hohe Bezahlung von Überstunden, was eine Übermüdung und höhere Fehleranfälligkeit bedeuten kann. Sicherheit und Fehlervermeidung beinhaltet die Verantwortung der Führungskräfte.
Informationsgewinnung in sicherheitskritischen Arbeitsprozessen: die Integration von CIRS-Medical
(Erläuterungen zum Thema CIRS siehe Pressetext von Prof. Pateiksy)
Unser rechtsstaatliches Denken fordert nach einem Unfall sofort eine Verurteilung und Bestrafung des Schuldigen. In risikoreichen Arbeitsbereichen kann jedoch das System nur von innen heraus sicherer gemacht werden, also durch Personen, denen bestimmte Arbeitsfehler beinahe oder tatsächlich passiert sind. Solchen systemkritischen Input erhält man als Arbeitgeber nur ohne Androhung von Strafe (non-punitives Reportingsystem), zum Beispiel in der Form des CIRS-Medical. Die Integration eines non-punitiven Reportingsystems bedarf einer genauen Vorbereitung und einer begleitenden Mitarbeiterschulung.
Darf ein Arzt deshalb nie für Fehler disziplinarisch belangt werden?
Wenn das eigene Fehlverhalten oder das Fehlverhalten anderer durch das non-punitive Reportingsystem anonym gemeldet wird, dann darf es niemals zu einer disziplinarischen Maßnahme kommen. Dabei darf es keine Ausnahme geben. Sogar Personen, die aufgrund unterschiedlichster Motivation ein absichtlich sicherheitskritisches Verhalten zeigen oder Regeln missachtet haben, dürfen nicht bestraft werden. Dies erscheint auf den ersten Blick unbefriedigend, jedoch gibt es für ein erfolgreiches Sicherheitskonzept keine Alternative. Es gibt alternative Wege, mit dem Mitarbeiter das Gespräch zu suchen. Die Erfolgsgeschichte der zivilen Luftfahrtfahrt ist für den Erfolg eines solchen Systems der beste Beweis.
Die Notwendigkeit einer regelmäßigen Mitarbeiterschulung
Menschen ähnlicher Kulturkreise verhalten sich auch in risikoreichen Arbeitsprozessen sehr ähnlich. In der Luftfahrt sind die unterschiedlichsten menschlichen Fehlerarten aufgrund zahlreicher Unfalluntersuchungen sehr genau bekannt. Die Fehlerquellen lassen sich in unterschiedliche Bereiche einteilen: mangelnde Kenntnisse der Verfahren, Selbstüberschätzung, Umgang mit Stress, Regelmissbrauch, mangelnde Kommunikation und Teamfähigkeit und die Qualität einer Entscheidung. Das Gute ist, dass alle genannten Punkte trainierbar sind. In der Luftfahrt ist deshalb ein CRM-Training (Crew Resource Management-Training) gesetzlich vorgeschrieben. Diese Schulung konnte in der Luftfahrt das Verhalten und die Einstellungen unzähliger Mitarbeiter positiv beeinflussen.
Resumée: Auch Frauenärzte machen Fehler – wie damit umgehen?
Es sollte in der Zukunft weniger um die Frage gehen, wie mit entstandenen Fehlern umgegangen wird. Vielmehr müssen organisatorische Voraussetzungen geschaffen und die Mitarbeiter geschult werden, so dass es gar nicht erst zu der Entstehung von Fehlern kommt.
Ansprechpartner:
Carsten Schmidt
Security Manager
Deutsche Lufthansa AG
FRA NV/S-W
Lufthansa Basis, 60546 Frankfurt/M.
Tel.: 069/696-73507; Fax: - 95821
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