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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006

Immer mehr Kinder kommen zu groß zur Welt
Pressetext von Prof. Klaus Vetter

Die Menschen werden seit 150 Jahren immer größer. Dies hat wird dem nahezu uneingeschränkten Zugang zu Nahrungsmitteln (in den Industriestaaten) und hier insbesondere mit raffiniertem Zucker in Verbindung gebracht. Eines der stärksten Wachstumshormone ist Insulin, das Hormon, das dafür sorgt, dass Zucker in die Zellen aufgenommen wird. Es wird durch den Zuckerspiegel im Blut gesteuert, und wenn der ansteigt sorgt das Insulin dafür, dass Zucker dem Stoffwechsel zur Verfügung steht.
Ähnliches spielt sich im Bauch der Mutter ab: ein Überangebot an Nährstoffen führt nicht nur dazu, dass ein Fetus seine Speicher in der Leber und im Fettgewebe füllt, sondern auch dazu, dass er übermäßig wächst. Der Fetus kann das Nahrungsangebot nicht steuern, indem er „nein“ sagt oder den Mund zusperrt; er befindet sich eher in der Situation einer Stopfgans.
Woher kommen die Probleme?
Auf der einen Seite stehen die Veränderungen bei den Müttern. Fehlernährung beziehungsweise ungünstige Lebensverhältnisse und zunehmender Anstieg des Alters der Mütter sind die Basis des Problems: In den letzten 15 bis 20 Jahren ist das Alter der Mütter im Durchschnitt um zehn Jahre gestiegen. Damit steigen auch Gewicht und Stoffwechselprobleme der Schwangeren deutlich an.
Was sind die langfristigen Auswirkungen?
Es kann zu einer Fehlprogrammierung des Stoffwechsels kommen mit der Konsequenz lebenslanger Krankheitsveranlagungen für die Nachkommen bereits im Mutterleib (epigenetische Prägung). Während kritischer Entwicklungsphasen können Umwelt- und ernährungsabhängig metabolischen und hormonellen Störungen entstehen, die schließlich eine Disposition für Fettleibigkeit, Diabetes und daraus entstehende Herz- und Kreislaufprobleme darstellen.
Was können Frauen in der Schwangerschaft tun?
Das alte Prinzip: Freude, Mäßigkeit und Ruh' schleußt dem Arzt die Türe zu kann als Leitschnur gelten. Denn wenn Alltagsfehler bei Ernährung und Lebensführung beseitigt wären, hätten wir nur noch wenige Probleme. Die tatsächlichen aus der Schwangerschaft hervorgehenden Probleme (wie der Schwangerschaftsdiabetes) machen je nach Ausprägung jenseits der Normalisierung der Lebensführung eine gezielte Ernährungsumstellung (Diät), angemessene Bewegung und im besonderen Fall auch einmal eine Behandlung mit Insulin notwendig.
Auf jeden Fall lässt sich in den meisten Fällen bei rechtzeitigem und konsequentem Eingreifen die übermäßige Gewichtszunahme im Mutterleib verhindern und ein normales "Schwangerschaftsresultat" erzielen – ohne Belastung für das weitere Leben.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Klaus Vetter
Präsident der DGGG
Vivantes Klinikum Berlin Neukölln
Klinik für Geburtsmedizin
Rudower Straße 48, 12351 Berlin
Tel.: 030/6004-8486; Fax: -8599
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