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56. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe
Berlin, ICC, 19. bis 22. September 2006
Wie sich die Frauenmedizin verändert hat / Higlights
des Kongresses
Von Kongresspräsident Prof. Klaus Vetter
Die meisten Frauen sind heute selbstbewusst und zum Beispiel
durch Massenmedien gut informiert. Auch das Internet bietet zum Teil gute
Informationsmöglichkeiten, oft genug leider aber auch unbewiesene
Behauptungen und riskante Fehlinformationen.
Die Vorstellungen vom eigenen Leben werden von einem Wohlbefindlichkeitsansatz
(Salutogenese) und nicht unter dem von Krankheit und Leid (Pathogenese)
geleitet. Dementsprechend ist es gerade in der Frauenmedizin sehr wichtig
geworden, verständlich zu informieren und den Wunsch zur Entscheidungsfreiheit
zu akzeptieren. (Siehe dazu den Pressetext von Prof. Bitzer.)
Frauen organisieren sich insbesondere bei chronischen und schwierig
zu behandelnden Krankheitsbildern, wie etwa der Endometriose. Auch bei
Krebs wird das Ziel einer Behandlung – das nicht immer die Lebensverlängerung
sein muss – ausgedehnter diskutiert als früher. Ähnliches
gilt für die Geburtshilfe. Besonders in den Vordergrund getreten
ist der Dialog über individuelle Vor- und Nachteile von Maßnahmen
zur Bewältigung von Problemen in den Wechseljahren und danach.
Die Zunahme an Frauen in der ärztlichen Weiterbildung
führt dazu, dass in Zukunft nahezu ausschließlich Frauen mit
Frauenärztinnen zu tun haben. Das verändert viele Aspekte von
Wahrnehmung, Kommunikation und therapeutischem Ansatz.
In der Fortpflanzungsmedizin ist das Risikobewusstsein
vernünftigerweise gestiegen. Mehrlinge sind als großes Problem
erkannt. Manche Vermeidungsstrategien sind in Deutschland nicht möglich.
Und nicht zuletzt sollte das individuelle Schwangerschaftsrisiko einer
Frau vor reproduktionsmedizinischen Maßnahmen geklärt sein.
(dazu die Pressetexte von Prof. Diedrich und Prof. Würfel.)
In der Pränatal- und Geburtsmedizin setzt sich
auf Wunsch der werdenden Eltern zunehmend ein gestuftes Programm zur individuellen
Risikoabschätzung durch. Außerdem kann bei entsprechendem medizinischen
Einsatz ein Großteil der Risiken für Schwangerschaft und Geburt
bis zur Hälfte der Schwangerschaft festgestellt werden. (Pressetexte
v. Prof. Holzgreve u. Prof. Hackelöer)
Durch das zunehmende Alter der Mütter bedingt werden sich erworbene
Veränderungen und Erkrankungen der Mutter – wie ein Diabetes
– vermehrt auf die Schwangerschaften auswirken, wenn dem nicht entgegengetreten
wird. Die Geburtsplanung sieht bei bestimmten Risikokonstellationen, wie
einer Übergröße des Kindes öfter als früher
einen Kaiserschnitt als notwendig an, da das Operationsrisiko eines Kaiserschnitts
heute überschaubar ist; er ist dann jedoch eine Hypothek bei darauf
folgenden, weiteren Schwangerschaften.
In der operativen Gynäkologie hat sich der
Trend zur Knopflochchirurgie weiter fortgesetzt; dies gilt auch für
"große Operationen". Neue Techniken haben insbesondere
auch die Operationen bei Inkontinenz verändert. Größere
Eingriffe oder spezielle Operationen, etwa bei ausgedehnten Tumoren, wurden
in letzter Zeit schon an Schwerpunkt-Kliniken konzentriert. Eine offizielle
Zentrenbildung ist das Ziel.
Bei Krebserkrankungen werden neue Konzepte angewendet,
die insbesondere Rezeptor-spezifische Therapien beinhalten oder solche,
die individuell im Rahmen genetischer Abklärungen optimale Therapien
auswählen lassen. (Pressetext von Prof. Schmutzler)
Einen der größten Schritte beim durch Viren ausgelöste
Gebärmutterhalskrebs stellt die Impfung gegen HPV (humane Papillomviren)
dar, die wahrscheinlich im nächsten Jahr zu Verfügung stehen
wird. (Pressetext von Prof. zur Hausen)
In der Medizin des höheren Lebensalters werden
lindernde (palliative) Maßnahmen einschließlich Operationen
großzügiger vorgenommen. Dadurch lassen sich Lebensqualität
und Pflegebedürftigkeit im positiven Sinn beeinflussen.
Nicht zuletzt werden Hormontherapien individuell nach Bedarf sowie Indikation
eingesetzt und damit die in den letzten Jahre so beschworenen Risiken
begrenzt. (Pressetext von Dr. Schaudig)
Bei allem spielt das Thema Kommunikation die entscheidende
Rolle. Hier wurden besonders bei der Gestaltung der neuen Weiterbildungsordnung
Schwerpunkte gesetzt. Die sprechende Medizin ist weiter auf dem Vormarsch.
Gynäkologinnen und Gynäkologen sind und bleiben die Ärztinnen
und Ärzte der Frau in jeder Lebensphase.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Klaus Vetter
Präsident der DGGG
Vivantes Klinikum Berlin Neukölln
Klinik für Geburtsmedizin
Rudower Straße 48, 12351 Berlin
Tel.: 030/6004-8486; Fax: -8599
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