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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Frauen in der Frauenheilkunde: Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Pressetext von Prof. W. Jonat, Kiel, Präsident der DGGG
Der Anteil von Frauen in der Medizin insgesamt und ganz besonders
in der Gynäkologie und Geburtshilfe nimmt zu. Allerdings betrifft
dies noch nicht Führungspositionen. Insgesamt ist die Entwicklung
erfreulich, jedoch gibt es für Ärztinnen immer noch erhebliche
Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dies zu verbessern muss gerade
die Frauenheilkunde als wichtige Aufgabe ansehen.
1880 legte Hope Bridges Adams-Lehmann in Leipzig als erste Frau das
medizinische Staatsexamen ab und praktizierte fortan als "weiblicher
Arzt" – und zwar als Gynäkologin. Offiziell zugelassen
wurde das Staatsexamen für Frauen in Deutschland erst 1904. Heute
sind gut 40 Prozent der praktizierenden Ärzte weiblich. In der Frauenheilkunde
sind es über 53 Prozent (siehe Anlage). Der größte Teil
der jüngeren Ärztinnen ist auch Mitglied in der wissenschaftlichen
Fachgesellschaft DGGG und/oder im Berufsverband BVF. Allerdings hat bisher
lediglich die DGGG ein weibliches Führungsmitglied in ihren Reihen.
Und auch die Ordinarien und Chefarztpositionen sind männlich dominiert.
Andererseits sind fast 80 Prozent der gynäkologischen Assistenten
und 44 Prozent der Oberärzte in Krankenhäusern weiblich. Die
Hälfte der Beiträge (Erstautorenschaft) für den diesjährigen
DGGG-Kongress wurde von Frauen eingereicht.
Jedoch bestehen immer noch erhebliche Probleme für Frauen, ihren
Beruf ausüben zu können – und dies in Zeiten, da Kliniken
um ihren medizinischen und wissenschaftlichen Nachwuchs bangen.
Nach wie vor sind Kinderbetreuung und Zeitmanagement für berufstätige
Frauen und Paare die größten Herausforderungen bei dem Wunsch,
Beruf und Familie zu vereinbaren. Das gelingt in einer ärztlichen
Praxis leichter als in den Kliniken. Die Strukturen der Krankenhäuser
entsprechen in den seltensten Fällen dem familiären Alltag.
Bei einer insgesamt gleichbleibenden Zahl von Medizinstudenten ist zu
befürchten, dass Ärztinnen in den niedergelassenen Bereich ausweichen
oder ganz das Berufsfeld wechseln. Nur 14 Prozent der Medizinstudierenden
können sich laut einer Umfrage des Deutschen Ärzteblattes unter
dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf das Krankenhaus als
Wirkungsstätte vorstellen. Viele erwägen, im europäischen
Ausland zu arbeiten.
Nicht nur in Anbetracht des hohen Anteils des weiblichen ärztlichen
Nachwuchses in der Frauenheilkunde müssen die Kliniken sich Lösungen
überlegen, wie sie Ärztinnen in der klinischen Praxis und in
der Forschung halten können, um eine hohe Qualität in der ärztlichen
Behandlung zu gewährleisten und den Anschluss an die internationale
Forschung zu behalten. Dazu gehört:
• Flexible Arbeitsbedingungen einschließlich ausreichende
Teilzeitstellen
• Kinderbetreuung am oder in der Nähe des Arbeitsplatzes –
derzeit bieten nur etwa 14 Prozent der Krankenhäuser Kinderbetreuung
an.
• Männer unterstützen die Berufstätigkeit ihrer Frauen
und sehen die Familie auch als ihreWirkungsstätte. Kliniken unterstützen
diese Männer.
• Gutes, kooperatives Arbeitsklima
• Gut strukturierte Aus- und Weiterbildung
• Karrieremuster und hierarchische Strukturen müssen darauf
ausgerichtet sein.
• Unterstützung an dem neuen Arbeitsplatz (zum Beispiel Wohnungssuche,
Sprachkurs)
• Gerechte Bezahlung
• Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen. Hier hat unter anderem
die Einführung der Fallpauschalen (DRGs) wesentlich dazu beigetragen,
dass zeitliche Spielräume etwa fürWeiterbildung und flexible
Arbeitszeiten nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen.
Wenn es die Frauenheilkunde nicht als ihre primäre Aufgabe ansieht,
Familie und Beruf zu vereinbaren, wer dann? Das ist eine Herausforderung
für die Leitung jedes einzelnen Krankenhauses. Auch die DGGG wird
sich der Verantwortung stellen und zum Beispiel gemeinsam mit dem Jungen
Forum eine Umfrage durchführen.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Walter Jonat
Präsident der DGGG
Universitätsklinikum SH, Campus Kiel
Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie
Michaelisstraße 16, 24105 Kiel
Tel.: 0431/597-2041; Fax: -2046
Mail
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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
Mail
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