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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Überblick von Prof. Walter Jonat, Präsident der DGGG
(Aus der Medeineinladung)
Gynäkologie und Geburtshilfe haben sich zum gesundheitlichen Begleiter
der Frauen während ihres gesamten Lebens entwickelt. Die älter
werdende Gesellschaft stellt an die Frauenheilkunde große Herausforderungen.
Immer mehr Frauen möchten Kinder in späteren Lebensabschnitten
bekommen. Zum Teil wurde dies erst durch die bessere Fortpflanzungsmedizin
ermöglicht. Die Perinatalmedizin ("um die Geburt herum")
hat zu zahlreichen Verbesserungen für Mutter und Kind geführt.
Ein weiteres Diskussionsthema ist die steigende Zahl von Kaiserschnitten.
Mitunter entstehen ferner neue ethische Herausforderungen. Eine wichtige
Rolle spielt die Gynäkologie auch für Mädchen und junge
Frauen, nicht zuletzt bei der Schwangerschaftsverhütung. Für
Frauen im höheren Lebensalter wiederum spielt die Behandlung von
Beschwerden in den Wechseljahren eine große Rolle; die Diskussion
um die Hormonersatztherapie flammt immer wieder auf. In der darauf folgenden
Lebensphase hat die Urogynäkologie erheblich an Bedeutung gewonnen,
denn insbesondere Inkontinenz bedeutet eine erhebliche Einschränkung
der Lebensqualität. Wichtig sind ferner Erkrankungen wie die Endometriose
sowie gynäkologische Infektionen. Vor allem auch bei der Krebsvorsor-ge
und -behandlung macht sich das zunehmende Alter der Frauen bemerkbar.
Mit dem Mammographie-Screening wurden Fortschritte erzielt, aber damit
sind nicht alle Probleme gelöst. Eine zentrale Rolle wird beim Hamburger
Kongress selbstverständlich die Krebstherapie mit modernsten Mitteln
und Methoden spielen.
Die Frauenheilkunde ist beileibe kein ausschließlich "medizintechnisches"
Fach. Lebensbegleitung und -beratung gehören ebenso dazu wie die
seelische Seite – von der vorgeburtlichen Psychologie bis zu psychosomatischen
Erkrankungen. Fachleute für Frauengesundheit müssen sich ferner
zu Wort melden, wenn es um die Verteilung von Ressourcen geht. Ein Beispiel:
Während es in ärmeren Ländern oft an Geld und Infrastruktur
mangelt, um schlimmste "Frauenleiden" zu behandeln, kommen in
reichen Staaten Schönheitsoperationen an den Genitalien "in
Mode". Oder: Sicherheit und Gesundheit von Kindern sind auch Verpflichtung
der beteiligten medizinischen Disziplinen; so wird die DGGG beispielsweise
in Kürze Anleitungen zur Kennzeichnung von Neugeborenen heraus geben,
um – wenn auch seltene – Verwechslungen in Krankenhäusern
auszuschließen.
Denn zu den Aufgaben der DGGG gehört es, sich in wichtige gesellschaftliche
Fragen "einzumischen", wenn die Gesundheit von Frauen betroffen
ist, sowie für die Sicherung der Behandlungsqualität zu sorgen.
Mit der Erarbeitung von mehr als 50 Leitlinien und der Festlegung von
Behandlungsstandards zu den unterschiedlichsten gynäkologischen Themen
hat die DGGG in den vergangenen Jahren Maßstäbe innerhalb der
Medizin gesetzt. Die Zielsetzung einer bestmöglichen Qualität
hat zur "Zentrenbildung" geführt, beispielsweise zu Perinatal-
und Brustzentren. Doch hinkt die politische Umsetzung von Institutionen,
die auf bestimmten Gebieten besondere Qualifikationen und umfassende Erfahrung
bieten können, teilweise immer noch hinter der fachkundigen Einschätzung
der DGGG zurück – hier sind noch "dicke Bretter zu bohren".
Politische Entscheidungen der vergangenen Jahren – wie etwa Fallpauschalen
– haben auch zu großen Veränderungen in Klinik und Praxis
geführt. Ziel der DGGG ist es, auf diese Herausforderungen mit neuen,
vernetzten Lösungen im Sinne der Frauengesundheit zu reagieren. Auf
weiteren Gebieten, wie zum Beispiel bei der Regelung von Abtreibungen
in der Spätschwangerschaft, arbeitet die Fachgesellschaft zusammen
mit der Politik an Lösungen.
"Die qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung der jungen
Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde ist eines der wichtigsten
Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe",
sagt Prof. Jonat. Die DGGG hat dies unter anderem mit der Gründung
der Deutschen Akademie für Gynäkologie und Geburtshilfe unterstrichen.
Und selbstverständlich ist es eines der wichtigsten Ziele der regelmäßigen
DGGG-Kongresse, sowohl "alte Hasen" als auch den "Nachwuchs"
auf dem neuesten Stand der medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse
zu halten.
--
Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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