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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Warum Zentren in der Frauenheilkundeden Patientinnen nutzen
Pressetext von Prof. W. Beckmann, Erlangen
In bestimmten Bereichen der Medizin ist besonders viel Erfahrung
der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ebenso notwendig wie modernste
apparative Ausstattung, um Patienten eine umfassende Betreuung von höchster
Qualität zukommen lassen zu können. Dies gilt gerade auch für
die gynäkologische Spezialversorgung. Für verschiedene Krankheiten,
beispielsweise Brustkrebs, sind solche Zentren ebenso erfolgreich eingerichtet
worden wie etwa für Risikogeburten. Allerdings gibt es noch Probleme,
etwa bei der Qualifizierung und Finanzierung.
Auch für Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich in den vergangenen
Jahren viel geändert. Dazu gehören die Einführung neuer
Strukturen, etwa des DRG-Systems, eine neuen Weiterbildungsordnung für
Ärzte sowie das Wettbewerbsstärkungsgesetz der gesetzlichen
Krankenkassen. Darüber hinaus wünschen Patientinnen und Selbsthilfegruppen
zu Recht mehr Mitbestimmung, was ebenso die Zentralisierung der Angebote
in spezialisierten Einrichtungen fördert.
Zentrumsbildung erstreckt sich auf alle Bereiche der Frauenheilkunde von
spezieller Geburtshilfe über Schwerpunktbereiche wie Uro-Gynäkologie
oder Endometriose-Behandlung bis zur gynäkologischen Krebsbehandlung.
Ärzte aus verschiedenen Disziplinen sowie andere Fachleute arbeiten
in solchen Zentren zusammen.
So sind im Jahr 2004 die ersten Brust(Krebs)zentren entstanden. Inzwischen
gibt es 167 zertifizierte Mammazentren. Von den über 57.000 Frauen,
die pro Jahr neu an einem Brustkrebs erkranken, wird derzeit ungefähr
die Hälfte in zertifizierten Zentren versorgt. Unter Hinzuzählung
der 80 durch das Sozialministerium in Nordrhein-Westfalen definierten
Brustzentren kann man davon ausgehen, dass rund 85 Prozent der Patientinnen
mit der Erstdiagnose Mammakarzinom in entweder zertifizierten oder in
akkreditierten Struktureinheiten versorgt werden.
Ein Problem ist aber, ob die angemeldeten Zentren auch so viele Fälle
behandeln, dass sie die notwenige Erfahrung aufweisen können. Solche
Mindestmengen werden von den Fachgesellschaften als nicht der einzige,
aber als ein wichtiger Teil der Qualifikation angesehen. Nach den Daten
der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS)
für das Jahr 2007 können von 1.046 meldenden Krankenhäuser
mit der Diagnose "invasives Mammakarzinom" nur 146 Häuser
mehr als 100 Fälle aufweisen.
Der Gesetzgeber hat bei den Einrichtungen, die das Mammographie-Screening
durchführen, nicht darauf geachtet, dass sie direkt an zertifizierten
Zentren angebunden sein sollten. Um nach einer Brustkrebs-Diagnose die
Behandlung in bestmöglicher Qualität zu gewährleisten,
sollte dies nachgeholt werden.
Eine qualitätsgesicherte Versorgung ist aber nicht nur für
Patientinnen mit Mammakarzinom, sondern genauso für Patientinnen
mit zum Beispiel Eierstockkrebs, Gebärmutterschleimhaut- oder Gebärmutterhalskrebs
zu fordern. Auch die Selbsthilfe nach Krebs hat eine Gleichstellung der
Behandlungsqualität für diese Patientinnen mit Genitalkrebs
angemahnt. Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie
(AGO) hat in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und
der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
(DGGG) deshalb ein interdisziplinäres Zertifizierungsverfahren in
Analogie zu dem für Brust(Krebs)zentren etabliert. Die beiden ersten
Zertifizierungsurkunden werden im Rahmen des DGGG-Kongresses 2008 an die
Zentren Erlangen und Regensburg überreicht.
Die Diskussion über die beschriebenen, notwendigen Mindestmengen
wird derzeit besonders heftig bei Einrichtungen geführt, in denen
Frühgeborene behandelt werden (siehe
dazu den Pressetext von Prof. Vetter). Die Versorgung von Schwangeren,
bei denen die Geburt eines sehr untergewichtigen Kindes zu befürchten
ist, ist an gesetzlich definierte Vorgaben gebunden. Sie sollte nur in
solchen Perinatalzentren erfolgen, die dafür bestimmte Infrastrukturen
und ärztliche wie pflegerische Qualifikationen vorhalten können.
In der Realität ist jedoch derzeit die vom Gesetzgeber angestrebte
Garantie einer qualitätsgesicherten Versorgung gefährdet.
In der allgemeinen Gynäkologie und insbesondere in der operativen
Gynäkologie sind in den letzten zwei Jahren ebenfalls Strukturen
im Sinne der Zentralisierung, interdisziplinären Zusammenarbeit und
Spezialisierung auf bestimmte Krankheitsbilder auf den Weg gebracht worden.
Die Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion
(AGUB) hat ein Dreistufen-System der Zertifizierung etabliert. Besonders
versierte Kolleginnen und Kollegen sollten in der Diagnostik und Therapie
die umfassenden Strategien zum Beispiel der Behandlung von Inkontinenz
oder Beckenbodenschwäche durchführen. Gleiches gilt für
Frauen mit Endometriose, die zum Teil immer noch erst nach über sechs
Jahren die richtige Diagnose erfahren. Die Arbeitsgemeinschaft für
Gynäkologische Endokrinologie (AGE), die Deutsche Gesellschaft für
gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) und
die Stiftung für Endometrioseforschung haben ein Zertifizierungsverfahren
für die Diagnostik und Therapie von Frauen mit Endometriose etabliert.
Die Beteiligung der Selbsthilfegruppen ist hier Bestandteil der Zertifizierung,
ebenso wie psychologische Unterstützung.
Durch Zentrumsbildung wird eine qualitätsgesicherte, extern überprüfbare
und umfassende Versorgung gewährleistet. Problematisch ist aber,
dass ihre Finanzierung im derzeitigen System nicht gewährleistet
ist. Klinische Struktureinheiten, die den hohen Ansprüchen genügen
wollen, laufen Gefahr, ein finanzielles Defizit zu erzielen. Die derzeitige
DRG-Systematik erlaubt hier keine Sonderentgelte. Veränderungen im
Entlohnungssystem sind unabdingbar, um die öffentlich geleugnete,
aber bereits im Entstehen begriffene Zweiklassenmedizin nicht zu verstärken.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Matthias W. Beckmann
Universitätsklinikum Erlangen, Frauenklinik
Universitätsstraße 21-23, 91054 Erlangen
Tel.: 09131/853-3451; Fax: -3456
Mail
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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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