|
|

Durch
Gemeinsames
Gestalten
Gewinnen
|
57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Blasenschwäche: Längst kein unheilbares Leiden mehr
Pressetext von Prof. Th. Dimpfl, Kassel
Viele der millionen Frauen, die unter Harninkontinenz leiden, ziehen
sich aus dem sozialen Leben zurück oder lassen sich ihren Alltag
von ihrer Krankheit diktieren, nicht wenige unter ihnen leiden an Depressionen.
Dies ist nicht nur eine erhebliche Belastung der Lebensqualität –
es ist auch meist unnötig, denn in rund 90 Prozent der Fälle
ist eine Heilung oder zumindest deutliche Besserung durch Training, verbesserte
Medikamente und nötigenfalls Operationen möglich. Allerdings
sollte die Behandlung durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte
erfolgen.
Angesichts der demographischen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass
die Zahl der Patienten mit behandlungsbedürftiger Inkontinenz –
heute schon sechs Millionen in Deutschland – weiter ansteigen wird.
Frauen leiden sehr viel häufiger unter "Blasenschwäche"
als Männer – für die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie
ist die Urogynäkologie (die sich zum Beispiel auch mit Senkungsbeschwerden
oder Darmfunktionsstörungen befasst) aus diesen Gründen ein
zentrales Thema.
Viele Frauen unterwerfen sich bei der Planung der Lebensabläufe
ihrer Blase: Wenn überhaupt verlassen sie ihre Wohnung nur, wenn
sie wissen, dass eine Toilette schnell erreichbar ist. Viele der Betroffenen
schweigen sogar gegenüber ihrem Arzt, weil sie fälschlicherweise
denken, Inkontinenz sei unabwendbare Folge des Alterungsprozesses. Ein
Hinweis darauf ist der gleichbleibend hohe Umsatz mit Hilfsmitteln gegen
Inkontinenz trotz erheblicher therapeutischer Fortschritte.
Inkontinenz kann – je nach Lebensphase – verschiedene körperliche,
mitunter auch psychosomatische Ursachen haben und tritt in unterschiedlichen
Formen auf. Deshalb kommt es auf genaue Diagnose und gezielte Therapie
an. In vielen Regionen Deutschlands gibt es dafür mittlerweile Beckenbodenzentren.
Im Beckenbodenzentrum (BBZ) Nordhessen arbeiten über 30 an der Diagnostik,
Therapie und Rehabilitation beteiligte Gynäkologen, Urologen, Neurologen,
Proktologen und Rehabilitationsmediziner aus Klinik und Praxis zusammen,
und zwar nach festgelegten Qualitätsstandards für Diagnostik,
konservative Therapie, prä-operatives Management, Operationsindikationen
und postoperatives Management. Diese Art der fachübergreifenden Zusammenarbeit
hat sich bewährt, denn durch einen intensiven Austausch und die ständige
Fortbildung können die am BBZ beteiligten Ärzte den Patienten
immer modernste, aussichtsreiche Diagnose- und Therapieverfahren anbieten.
Besonders häufig ist die Belastungsinkontinenz, bei der meist schon
ein Husten, Niesen oder das Tragen eines Einkaufskorbes zu unkontrolliertem
Harnverlust führt. Hier hilft oft schon eine gezielte Gymnastik zur
Stärkung der Beckenbodenmuskulatur oder eine Elektrostimulation,
bei der Stromimpulse die Kontraktionsfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur
und des Blasenschließmuskels verbessern. In einigen Fällen
hilft auch eine Therapie durch Medikamente, die den Harndrang reduzieren
und die Blasenmuskulatur beeinflussen. Dank neuer Substanzen und Darreichungsformen
(zum Beispiel Pflaster statt Tabletten) sind inzwischen auch die Nebenwirkungen
deutlich geringer geworden.
Wenn auch die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt, kann die Belastungsinkontinenz
häufig durch einen operativen Eingriff nachhaltig behoben werden.
Erfahrene Urogynäkologen setzen heute oft ein spannungsfreies Vaginal-Band
ein. Dies geschieht durch minimalinvasive Eingriffe, bei denen unter örtlicher
Betäubung nur winzige Schnitte nötig sind. Das Blasen-Bändchen
wirkt letztlich wie eine kleine Hängematte für die Harnröhre,
die bei Belastungen den Harnverlust verhindert. Diese Mitte der 90er Jahre
in Schweden entwickelte TVT- Methode (tension-free vaginal tape) ist inzwischen
so weiter entwickelt worden, dass verletzliche Zonen wie Blase, Harnröhre
und Gefäße verschont bleiben. Wenige Tage nach dem Eingriff
können die Patientinnen bereits wieder nach Hause gehen – in
der Regel beschwerdefrei.
Bei der Dranginkontinenz leiden die Patientinnen unter einer überaktiven
Blasenmuskulatur. Sie verspüren geradezu überfallartig einen
Harndrang und müssen zum Teil mehrmals pro Stunde die Toilette aufsuchen.
Auch hier gibt es heute gestufte Therapiemöglichkeiten. Nach einem
einfachen Blasentraining wird in der Regel zunächst mit einer medikamentösen
Behandlung versucht, die Überaktivität der Blasenmuskulatur
beziehungsweise der Blasenverschlussmuskeln zu dämpfen. Zudem kann
eine hyperaktive Blase mit Elektrostimulationsverfahren durch leichte
Stromimpulse desensibilisiert werden. Bei schweren Formen der Dranginkontinenz
kann der Blasenmuskel durch die Injektion von Botulinum-Toxin beruhigt
werden.
Welche Form von Inkontinenz auch immer vorliegt: In allen Fällen
müssen die Betroffenen erst einmal ihre Hemmschwelle überwinden
und sich einem Arzt anvertrauen, der sie gegebenenfalls an ein spezialisiertes
Zentrum weiter leitet.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Thomas Dimpfl
Klinikum Kassel,
Frauenklinikund Beckenbodenzentrum Nordhessen
Mönchebergstraße 41-43, 34125 Kassel
Tel.: 0561/980-3040Fax: 0561/980-6947
Mail
Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
Mail
Zurück
Zur Presseseite DGGG-Kongress 2008 |