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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008


Infektionen in der Frauenheilkunde: Ein zunehmendes Problem
Pressetext von Prof. K. Friese, München

Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe haben für Frauen oft schwer wiegende gesundheitliche Folgen und sind zugleich ein erhebliches Problem für das Gesundheitswesen. Besorgnis erregend ist zum Beispiel die Zunahme von Erregern, die gegen fast alle Antibiotika unempfindlich geworden sind; das gilt insbesondere für im Krankenhaus erworbene (nosokomiale) Infektionen. Zwar wurden in den vergangenen Jahren Fortschritte in Diagnostik und Therapie erzielt, dennoch bleibt die Ansteckungs-Verhütung vorrangig.
Auch in Deutschland nehmen Infektionen mit multiresistenten Bakterien zu. Nicht nur Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Stämme (MRSA) oder Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), sondern auch gramnegative „Extended-Spectrum Betalaktamasen“-Bildner (ESBL) treten vermehrt auf. Die MRSA-Häufigkeit im Krankenhaus ist von 8–10 auf mittlerweile 25 Prozent angestiegen. Nosokomiale Infektionen werden am häufigsten von gramnegativen Enterobakterien (Escherichia coli, Klebsiella und Enterobacter) verursacht; ESBL-Bildner treten bedingt durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika der Cephalosporin-Klasse vermehrt auf. Weltweit steigt die ESBL-Häufigkeit im stationären und ambulanten Bereich. Auch MRSA im ambulanten Bereich werden zunehmend registriert; sie verursachen in erster Linie Hautinfektionen sowie Knochenmarkentzündungen (Osteomyelitis), selten eine Pneumonie oder nekrotisierende Fasziitis. Obwohl seit fast 30 Jahren neue Antibiotika und Antibiotikaklassen entwickelt und zugelassen wurden, ist eine Therapie gegen diese multiresistenten Erreger immer noch nur sehr eingeschränkt möglich.
Im Bereich der Gynäkologie wurden zwei Impfstoffe zugelassen gegen humane Papillomaviren (HPV), die entscheidend zu der Entstehung von Zervixkarzinomen beitragen. Eine der wichtigsten Leitlinien der DGGG zur Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion wurde erst kürzlich verabschiedet. Ebenfalls erfolgte die Etablierung eines Screeningprogramms gegen eine Chlamydien- trachomatis-Infektion für Frauen, die jünger als 25 Jahre sind. Chlamydien stellen eine der wichtigsten Ursachen schwerwiegender gesundheitlicher und reproduktionsmedizinischer Probleme von jungen Frauen dar, einschließlich Unfruchtbarkeit, Bauchhöhlenschwangerschaft sowie chronischer Schmerzen im Becken.
Auch im Bereich der Geburtshilfe ergaben sich neue Erkenntnisse und mögliche Behandlungsmethoden. So wurde die größte europäische Studie (Phase III) zur Testung einer prophylaktischen Immunglobulingabe gegen eine kongenitale Zytomegalie (CMV)-Infektion initiiert, die häufigste intrauterine übertragene Viruserkrankung mit der Folge von Schädigungen des Ungeborenen. Die Mutterschaftsrichtlinien wurden ebenfalls in Bezug auf eine HIV-Testung und die Prävention einer kindlichen Übertragung des HI-Virus geändert. Obwohl der Test noch keine Pflichtuntersuchung darstellt, ist er dringend zu empfehlen und muss im Mutterpass dokumentiert werden.
Zusammenfassend haben gynäkologische und geburtshilfliche Infektionen und die daraus resultierenden vielfachen und oft schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen für die Betroffenen erhebliche körperliche und seelische Konsequenzen. Zudem stellen sie für die Gesellschaft epidemiologisch und gesundheitsökonomisch ein erhebliches Public-health-Problem dar. Obwohl während der letzten Jahre entscheidende diagnostische und therapeutische Schritte in der Infektiologie gemacht wurden, hat die Prävention und die Vermeidung einer Übertragung von Erregern immer noch höchste Priorität.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Klaus Friese
Direktor der Frauenkliniken – Klinikum Innenstadt und Großhadern
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maistrasse 11, 80337 München
Tel.: 089/5160-4101, Fax: -4143
Mail

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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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