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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Aus-, Fort- und Weiterbildung in Gefahr
Pressetext von Prof. B.-J. Hackelöer, Hamburg
Sowohl die Basisausbildung zum Gynäkologen und Geburtshelfer
als auch die spezielle Weiterbildung können zur Zeit an nahezu keiner
klinischen Ausbildungsstätte mehr ausreichend betrieben werden. Zu
den Gründen zählen die durch Senkung der Personalausgaben betriebene
Kostendämpfung und die Vorgaben von Kaufleuten im Krankenhausbereich
sowie die schlechten Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken. Diese Entwicklung
wird bereits kurzfristig zu einer schlechteren Krankenversorgung führen.
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie bemüht sich mit
ihrer eigenen Akademie (DAGG), die Ausbildungsdefizite wenigstens teilweise
auszugleichen.
Grundlage ärztlicher Fähigkeiten sind nicht nur das Studium,
sondern auch die Weiterbildung zum Facharzt sowie Zusatzqualifikationen.
Hierzu gehören in der Gynäkologie die Spezielle Geburtshilfe
und Perinatologie, die Spezielle Operative Gynäkologie und Gynäkologische
Onkologie sowie die Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin.
Die Besorgnis erregende Situation ist auf das zeitliche Zusammentreffen
von mehreren Faktoren zurück zu führen.
Fehlgeleitete Ökonomisierung
Geschäftsführer und Verwaltungsdirektoren regieren mit personellen
und materiellen Vorgaben in den medizinischen Bereich hinein. Das einzige
Rezept zur Rentabilität scheint die Kostenreduktion vor allem im
personellen Bereich. Notwendige Investitionen werden vermieden. Die neu
ausgehandelten Arzttarife werden vor allem bei Oberärzten ungenügend
umgesetzt, so dass viele junge Ärzte ins Ausland gehen. Dadurch fehlen
qualifizierte Ärzte sowohl für die Ausbildung der Studenten,
als vor allem auch für die Weiterbildung der Assistenten.
Unzureichende Umsetzung der Arbeitszeitregelung
Die neue Arbeitszeitregelung hat theoretisch den Ärzten endlich bessere
Arbeitsbedingungen mit einer adäquaten Bezahlung beschert. Ein festes
Arbeitszeitkonto bei gleichzeitiger Anrechnung der Bereitschaftsdienste
als Arbeitszeit hat offen gelegt, dass Ärzte bisher erheblich mehr
Arbeit geleistet hatten als nach EU-Recht erlaubt. Nur mit einer Stellenvermehrung
könnte nach der Neuregelung der Verlust an Arbeitsstunden ausgeglichen
werden. Dies aber erfolgte nicht.
Nach einem normalen Dienst darf ein Arzt nicht weiter arbeiten. Verbunden
mit zum Beispiel dem Schichtdienst im Kreissaal bedeutet das für
einen Weiterbildungsassisten, der Montag und Dienstag Nachdienst hat,
dass er für die Regelarbeitszeit nur noch am Freitag anwesend sein
kann. Die Regelarbeitszeit ist aber strukturierte Weiterbildungszeit –
und dann sind in den meisten Kliniken nur 20 bis 30 Prozent der Ärzte
anwesend. Eine strukturierte Weiterbildung ist nicht mehr möglich.
Urlaub und Krankheit führen in diesem System zu Katastrophen. Das
Arzt-/Patientenverhältnis an Kliniken ist in Deutschland bereits
jetzt nahezu doppelt so hoch wie in den anderen OECD-Staaten.
Zu wenig qualifizierte Ärzte
Schlechte Arbeitsbedingungen und Honorierungen haben dazu geführt,
dass Krankenhäuser zunehmend Probleme haben, Chef- und Oberarztstellen
zu besetzen. Der jetzt bereits bestehende Mangel an qualifizierten Ärzten
behindert die Weiterbildung. Die schon heute spürbaren Probleme
in der Krankenversorgung werden sich in den nächsten Jahren aufgrund
fehlenden, gut ausgebildeten Nachwuchses potenzieren. Auch die politisch
gewollte Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich kann
zwar zum Teil die Krankenversorgung sichern, sie schadet aber der Weiterbildung.
Inadäquate Abrechnungs- und Bezahlungssysteme für die Kliniken
führen zu fehlenden Fallzahlen vor allem bei der Diagnostik, so dass
Ärzte nicht ausreichend Erfahrung sammeln können. Dies führt
dazu, dass junge Ärzte an Wochenenden Kurse etwa in Ultraschalldiagnostik
an anderen Kliniken belegen müssen, obwohl an der eigenen Klinik
hoch qualifizierte Spezialisten vorhanden sind, die wiederum Gastärzte
ausbilden, die dort im Urlaub kostenlos arbeiten.
Im Gegensatz zu Großbritannien, den USA und skandinavischen Ländern
wird die Fortbildung junger Assistenzärzte nicht von der Klinik
bezahlt, sondern muss privat finanziert werden. Tagungs- und Reisekosten
für gute Fortbildungen können jedoch Viele nur noch in reduziertem
Maß aufbringen.
Trotz aller Bemühungen der DGGG, die geschilderten Defizite
auszugleichen, kann wirkliche Abhilfe nur durch rasche Änderung der
Gesundheitspolitik, vor allem im Finanzierungs- und Vergütungsregelungen
in Krankenhäusern geschaffen werden.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Bernhard-Joachim Hackelöer
Vertreter der Säule Praenatal- und Geburtsmedizin der DGGG
Chefarzt Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Asklepios Klinik Barmbek
Rübenkamp 220, 22291 Hamburg
Tel.: 040/181 882-1841; Fax: -1849
Mail
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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
Mail
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