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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008


Psychosoziale Aspekte der Frauenheilkunde
Pressetext von PD Dr. M. Rauchfuß, Berlin

"Leib und Seele sind nicht zwei Substanzen sondern eine. Sie sind der Mensch, der sich selbst in verschiedener Weise kennen lernt." (Carl Friedrich von Weizsäcker)
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Wie in der ärztlichen Praxis insgesamt spielen in Gynäkologie und Geburtshilfe seelische und soziale Faktoren eine große Rolle sowohl als (Mit-)Ursache von Krankheiten als auch für deren Vorbeugung, Verlauf und Behandlung. Gerade Frauen betrachten Gesundheit und Krankheit im Zusammenhang mit ihrer Lebenssituation. Wenn Ärztinnen und Ärzte darauf eingehen, verbessert dies sowohl das Verhältnis zur Patientin als auch deren Krankheitsbewältigung. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) hat intensiv an der Programmgestaltung des diesjährigen DGGG-Kongresses mitgewirkt.
Rund 40 Prozent der Patienten in hausärztlichen Praxen und in Kliniken leiden an psychosomatischen Erkrankungen. Auch in Gynäkologie und Geburtshilfe werden zum Beispiel vorzeitige Wehen oder chronische Unterbauchschmerzen von psychosozialen Faktoren zumindest mit-verursacht. Zudem gibt es eine ganze Reihe geburtshilflicher und gynäkologischer Krankheitsbilder, in deren Verlauf eine psychosomatisch beziehungsweise psychosozial orientierte Begleitung oder eine psychotherapeutische Behandlung für einen besseren Verlauf, sowie für Verarbeitung und Rehabilitation dringend angeraten ist. Dazu gehört zum Beispiel die Betreuung nach Krebs sowie nach Fehl- oder Totgeburt. Für Vorbeugung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation etwa von Inkontinenz oder unerfülltem Kinderwunsch ist neben einer fachübergreifenden somatischen Behandlung eine psychosomatische Betreuung ebenfalls unabdingbar.
Die DGPFG hat nahezu 1.000 Mitglieder, überwiegend Frauenärztinnen und Frauenärzte, aber auch Hebammen, Psychologen und Psychologinnen sowie Soziologen und Soziologinnen, die der Frauenheilkunde verbunden sind. Auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gestaltet die DGPFG erstmals eine Hauptsitzung (siehe Anhang).
Unter anderem wird die Leitlinie der DGPFG zum chronischen Unterbauchschmerz vorgestellt, die ein gutes Beispiel für integrierte Psychosomatik darstellt. Ein weiteres Thema ist die psychoonkologische Versorgung. Zur Behandlung des Brustkrebses wurde ein Disease-Management-Programm entwickelt, das Möglichkeiten für ärztliche psychotherapeutische Tätigkeit auf verschiedenen Ebenen aufzeigt.
Brustkrebs ist nicht nur mit körperlichen, sondern auch mit seelischen und sozialen Belastungen, Bedrohungen und Herausforderungen verbunden. Die Patientinnen stehen vor der Aufgabe, die Bedrohungen zu bewältigen und sich der veränderten Lebenssituation anzupassen. Schock, Angst, Furcht und Trauer sind unmittelbare emotionale Reaktionen auf die Mitteilung der Diagnose. Kurze, strukturierte psychoonkologische Interventionen sind in dieser Situation hilfreich. Die psychische Reaktion auf die Tumorerkrankung ist abhängig vom Tumorstadium, der notwendigen Therapie und deren Auswirkungen, der Persönlichkeit der Patientin und ihren Vorerfahrungen mit einer Krebserkrankung sowie der Verfügbarkeit psychosozialer Hilfe. Jüngeres Lebensalter, psychische Vorerkrankungen sowie ein Mangel an sozialer Unterstützung stellen Risikofaktoren für eine psychische Störung in der Folge einer Brustkrebserkrankung dar. Den meisten Patientinnen gelingt im Verlauf von zwei Jahren eine befriedigende Anpassung an die schwierige Lebenssituation. 20-30 Prozent von ihnen entwickeln jedoch eine so ausgeprägte seelische Reaktion, dass sie zur Bewältigung ihrer Krise psychotherapeutische Hilfe benötigen. Nützlich ist hier unter anderem auch die körperzentrierte Therapie. In einer eigenen Studie wurde ein positiver Effekt auf emotionale Belastungsfaktoren und physiologische Parameter wie Stresshormone und Immunparameter bei Patientinnen nach Mammakarzinom nachgewiesen.
Fruchtbarkeit und Schwangerschaft drücken aus, dass der eigene Körper in angemessener und gewünschter Weise funktioniert. Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, so kann dies von den Betroffenen als massive Kränkung erlebt werden, das Paar suchen vehement nach medizinischer Hilfe. Eine reproduktionsmedizische Behandlung führt wesentlich häufiger zu einer Mehrlingsschwangerschaft (siehe dazu den Pressedienst von Prof. Diedrich). Mehrlingsschwangerschaften stellen eine erhebliche Herausforderung an die Schwangere, aber auch an das sie betreuende Team dar. Es gilt, eine Balance zwischen Zulassen gesunder Entwicklung und Risikomanagement zu finden. Schwangerschaften nach "künstlicher Befruchtung" gehen häufiger mit Gesundheitsstörungen einher, die meist auch komplizierter verlaufen. Angst und Stressreaktionen können die ohnehin körperlich bedingten Risikofaktoren verstärken. Dies erfordert eine psychosomatisch orientierte Betreuung vor, während und nach der Geburt.
Frauen sehen – besser als Männer – Gesundheit und Krankheit im Kontext ihrer Lebenssituation und erwarten von Gynäkologinnen und Gynäkologen eine ganzheitliche Behandlung, die psychosomatische Aspekte einschließt. Engagierte und qualifizierte Frauenärztinnen und Frauenärzte können auch in einem kurzen Gespräch wichtige Themen in hinreichender Weise mit ihren Patientinnen besprechen. Die DGPFG bietet seit vielen Jahren Kurse zur psychosomatischen Grundversorgung an, in denen entsprechende Kompetenzen vermittelt und Fertigkeiten zum Beispiel in Rollenspielen trainiert werden.
Ansprechpartner:
Privatdozentin Dr.med. Martina Rauchfuß
Präsidentin der DGPFG
Charité – Frauenheilkundliche Psychosomatik
Luisenstraße 13 a, 10117 Berlin
Tel.: 030/450 55-3539; Fax: -3900
Mail

www.dgpfg.de
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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
> Mail

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