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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Eierstockkrebs:Moderne Diagnostik und Behandlung
von Prof. B. Schmalfeldt, München
Zusammenfassung – Details siehe unten
Das Overialkarzinom (Eierstockkrebs) wird immer noch meist zu spät
erkannt, was zu unnötig schlechten Heilungschancen führt. Zum
einen stehen noch keine hinreichend zuverlässigen Methoden für
Massenuntersuchungen zur Verfügung, zum anderen werden die typischen
Symptome sowohl von den eventuell betroffenen Frauen als auch von vielen
Ärzten nicht ernst genug genommen. Über längere Zeit
anhaltende Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen und eventuell
eine auch Zunahme des Bauchumfanges sollten Anlass sein, eine Gynäkologin/einen
Gynäkologen aufzusuchen.
Nur in etwa zehn Prozent der Fälle ist ein Ovarialkarzinom erblich
bedingt. Hier ist eine Vorbeugung teilweise möglich.
Ansonsten besteht die Standardbehandlung heute in einer "maßgeschneiderten"
Operation entsprechend der genauen Feststellung des Krebsstadiums. Bei
fortgeschrittenem Eierstockkrebs ist zusätzlich eine gezielte Chemotherapie
notwendig. Erste molekularbiologische Medikamenten lassen auf bessere
Behandlungserfolge hoffen, müssen aber noch genauer untersucht werden.
Die "Kommission Ovar" der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische
Onkologie (AGO) hat zum einen Leitlinien zur Behandlung von Ovarialkarzinomen
herausgegeben, zum anderen hat sie Studien zu Nutzen und Risiken verschiedener
Therapien begonnen.
Ansprechpartnerin:
für die AG0, Kommission Ovar
Prof. Dr.med. Barbara Schmalfeldt
TU München, Frauenklinik
Ismaninger Straße 22, 81675 München
Tel.: 089/4140-5414
Mail
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Das Ovarialkarzinom ist das fünfthäufigste
Karzinom der Frau. Nach wie vor werden mehr als 70 % der Ovarialkarzinome
in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, wenn die Erkrankung bereits
in der gesamten Abdominalhöhle ausgebreitet ist. Mit einer Fünf-
Jahresüberlebensrate von 32,5 % ist die Prognose trotz zahlreicher
therapeutischer Fortschritte in den letzen Jahren weiterhin ungünstig.
Früherkennung und Screening
Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen
in mehr als 30 % der Fälle und eine Zunahme des Bauchumfangs, die
oftmals bereits 6 Monate vor der Diagnosestellung berichtet werden und
sowohl von Patientinnen als auch Ärzten nicht genügend ernst
genommen werden. Im Unterschied zum Mamma- und Zervixkarzinom gibt es
bisher keine effektive Screeningmaßnahme, die eine Diagnose in frühen
Stadien ermöglicht. Weder routinemäßig bestimmtes CA125
noch die jährliche Vaginalsonographie können derzeit aufgrund
der geringen Sensitivität zur zuverlässigen Früherkennung
eines Ovarialkarzinoms empfohlen werden.
Hereditäres Ovarialkarzinom und Prävention
10 % der Ovarialkarzinome sind genetisch bedingt. Am häufigsten sind
Mutationen im BRCA1- und 2 Gen. Bei gesunden BRCA1- und BRCA2-Mutationsträgerinnen
führt die prophylaktische Entfernung der Eierstöcke und Eileiter
nach abgeschlossener Familienplanung zu einer Risikoreduktion für
ein Ovarialkarzinom um mehr als 80 %. Auch die Einnahme eines oralen Kontrazeptivums,
der „Pille“ vermindert das Risiko, an einem Ovarialkarzinom
zu erkranken. Dies sind derzeit die einzigen Maßnahmen, die zur
Prävention angeboten werden können.
Operative Therapie
Die Therapie des Ovarialkarzinoms besteht in der Operation mit Entfernung
allen bösartig veränderten Gewebes gefolgt von einer Chemotherapie.
Bei der Operation ist die Exploration und die Entnahme von Gewebeproben
in der gesamten Bauchhöhle unbedingt erforderlich, da durch die Lage
der Eierstöcke inmitten der Bauchhöhle Tumorabsiedlungen am
Darm, Bauchfell, den Zwerchfellen und allen weiteren Organen in der Bauchhöhle
vorkommen können. Darüberhinaus muss das Lymphabflußgebiet
der Eierstöcke, das sind die Lymphknoten im Becken und entlang der
Hauptschlagader, der Aorta abdominalis, untersucht werden. Die obligaten
operativen Maßnahmen sind in den Leitlinien (Literatur siehe unten)
festgelegt, werden aber zum Teil im klinischen Alltag noch unzureichend
durchgeführt. Die adäquate Operation mit oben beschriebenen
Stagingmaßnahmen ist der entscheidende Faktor für das Überleben.
Patientinnen, bei denen alle Tumorabsiedlungen entfernt werden können,
bei denen am Ende der Operation kein Tumorrest verbleibt, haben eine signifikant
günstigere Prognose als Patientinnen, bei denen Tumor zurückbleibt.
Um beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom ein optimales Operationsergebnis
zu erreichen sind neben der Entfernung der Eierstöcke, der Gebärmutter
und des großen Bauchnetzes in einem Großteil der Fälle
die Resektion des tumorbefallenen Bauchfells im Becken, an den Zwerchfellen,
in den Kolonrinnen, Darmteilresektionen und zusätzlich Eingriffe
im Oberbauch erforderlich. Ein therapeutischer Benefit durch die Entfernung
der Lymphknoten beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom kann bisher nur
aus einer prospektiven Studie abgeleitet werden. Da die Lymphonodektomie
auch Morbidität wie Lymphödem, Lymphzysten, neurogene Schäden
bleibende Nervenschädigungen durch die benachbarte Lage von Lymphbahnen
und Nervenfasern verursacht, hat die AGO Studiengruppe die LION Studie
initiiert, die Nutzen und Risiken der Lymphknotenentfernung beim fortgeschrittenen
Ovarialkarzinom klären wird.
Chemotherapie des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms
Hinsichtlich der Systemtherapie wurden in den letzten Jahren zahlreiche
Fragestellungen in großen Studien abgehandelt. Standard ist weiterhin
die Gabe von 6 Zyklen der Kombinationstherapie aus Carboplatin und Paclitaxel
in dreiwöchentlichem Abstand. Dieses Schema weist bisher bezüglich
Effektivität und Nebenwirkungsprofil die günstigsten Daten auf.
Bei dem diesjährigen Kongress der Amerikanischen Krebsgesellschaft
wurde eine Studie aus Japan mit wöchentlicher, dosisdichter Gabe
von Paclitaxel vorgestellt, in der ein signifikanter Vorteil für
das progressionsfreie, nicht aber für das Gesamtüberleben durch
die wöchentliche Gabe von Paclitaxel anstelle der dreiwöchentlichen
Gabe gezeigt wurde. Diese Ergebnisse sind beachtlich. Bevor jedoch hieraus
therapeutische Konsequenzen gezogen werden, sollte die Publikation der
Gesamtdaten und Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden.
Die intraperitoneale Chemotherapie beim fortgeschrittenen
Ovarialkarzinom war in mehreren Studien mit einer höheren Überlebensrate
assoziiert als die konventionelle intravenöse Therapie. Die bisher
geprüften Schemata waren mit einer hohen Toxizität verbunden,
so dass die Anwendung nicht empfohlen werden kann
Molekularbiologische Therapieansätze / Tumor
Biologicals
Aktuelle Studien prüfen die Effektivität tumorbiologischer Ansätze
in der Therapie des Ovarialkarzinoms. Die meisten Daten liegen zur Therapie
mit Bevacizumab vor (48). Bevacizumab bindet VEGF und hemmt hierdurch
die Tumorneoangiogenese. In Studien beim rezidivierten Ovarialkarzinom
konnte mit Bevacizumab in der Monotherapie ein Ansprechen erreicht werden,
das mit den Remissionsraten etablierter Zytostatika vergleichbar ist.
Der therapeutische Benefit der Bevacizumabgabe in der Firstline Therapie
wird derzeit in zwei großen internationalen Studien untersucht.
Die AGO Studiengruppe nimmt an der ICON 7 Studie teil, die in Deutschland
unter dem Titel AGO-OVAR 11 geführt wird. Informationen sind unter
www.ago-ovar.de erhältlich.
Abagovomab ist ein in Deutschland entwickelter muriner monoklonaler anti-idiotypischer
Antikörper, der das CA125-Antigen funktionell imitiert und eine spezifische
humorale Immunantwort gegen den Tumor induzieren kann. Die Effektivität
dieses anti-idiotypischen Antikörpers gegen CA125 wird derzeit in
einer internationalen multizentrischen Phase III Studie in der Primärtherapie
bei Patientinnen mit Komplettremission nach 6 Zyklen Carboplatin/Paclitaxel
untersucht, siehe hier: www.ago-ovar.de
Literatur
Interdisziplinäre S2k Leitlinie für die Diagnostik und Therapie
maligner Ovarialtumoren. Herausgegeben von der Kommission Ovar der Arbeitsgemeinschaft
Gynäkologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
sowie in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Zuckschwert Verlag München Wien New York 2007
www.ago-online.org/leitlinien
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MWM-Vermittlung
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