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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008
Brustkrebs-Massenuntersuchungsprogramm: Erfolge und Lücken
Pressetext von Prof. I. Schreer, Kiel
Die Aufbauphase ist in Rekordzeit geschafft: Fast flächendeckend
gibt es in nun Deutschland ein kostenloses Mammographie-Screening durch
besonders qualifizierte Zentren. Ebenso wie in vergleichbaren europäischen
Ländern mit solchen Programmen zur Früherkennung von Brustkrebs
ist auch in Deutschland der Erfolg sichtbar: Die Sterberate an dieser
häufigsten Krebserkrankung der Frau sinkt, und die Qualität
der Untersuchungen hierzulande ist gut. Dennoch bleibt Einiges zu tun.
In Deutschland erkranken pro Jahr rund 57.000 Frauen neu am Mammakarzinom
(Brustkrebs), jährlich sterben etwa 17.500. Die Erfahrungen haben
gezeigt, dass daran weder die Selbstuntersuchung der Brust noch die Tastuntersuchung
durch den Arzt alleine Wesentliches ändern können. Die Mammographie
soll dazu dienen, Tumoren aufspüren, bevor sie tastbar werden, um
durch frühe Diagnose und Behandlung die Brustkrebssterblichkeit zu
senken und weniger eingreifende Behandlungsmaßnahmen anwenden zu
müssen. Um eine Massenuntersuchung erfolgreich zu gestalten, bedarf
es aber moderner Technik und besonders qualifizierter Untersucher. Deshalb
wurde bei uns Ende 2005 das Mammographie-Screening-Programm nach europäischen
Leitlinien aufgebaut. Anspruchsberechtigt sind bisher Frauen zwischen
50 und 69 Jahren, die alle zwei Jahre brieflich zu der Untersuchung eingeladen
werden.
In Deutschland leben 10,4 Millionen Frauen dieser Altersgruppe. Über
2,6 Millionen von ihnen (26 Prozent) wurden bisher eingeladen, genutzt
haben das Angebot allerdings bisher nur 1,45 Millionen (54 Prozent der
Eingeladenen). Um den gewünschten Effekt auf die Gesamtsterblichkeit
an Brustkrebs zu erzielen, müssen die Beteiligungsraten noch deutlich
steigen.
Für die Teilnehmerinnen jedoch zeigt sich bereits ein bemerkenswerter
Erfolg. Knapp 81 Prozent der Krebsfälle wurden in Stadium T1 entdeckt,
was bedeutet, dass die Tumoren kleiner als 20 mm waren; 78,9 Prozent haben
keinen Lymph-knotenbefall, womit die Heilungschancen größer
sind.
Die guten Ergebnisse sind Folge eines umfassenden Qualitätssicherungsprogramms:
Die Qualität der Geräte wird überprüft, die Röntgenbilder
werden von zwei erfahrenen Ärzten unabhängig voneinander ausgewertet,
und im Verdachtsfall entnommene Gewebeproben werden von besonders qualifizierten
Pathologen begutachtet. Im normalen Versorgungssystem, außerhalb
des Mammographie-Screening-Programms (Ausnahme Schleswig-Holstein) können
diese Standards nicht vorgehalten werden.
Das heißt: Die Versorgung von Frauen mit bildgebender Mammadiagnostik
erfolgt in getrennten Systemen mit deutlich unterschiedlicher Qualität!
Dies zu verändern war Ziel des im Jahre 2001 in Schleswig-Holstein
gestarteten "QuaMaDi-Projektes". Wir konnten zeigen, dass durch
Doppelbefundung, Drittbefundung durch Experten, Umsetzung von standardisierter
Abklärung und vor allen Dokumentation der gesamten Prozesse die Anzahl
größerer Tumoren reduziert und die Zahl von rechtzeitig entdeckten
kleineren Tumoren und Tumorvorstufen deutlich angehoben werden konnte.
Nur die Hälfte aller neuen Brustkrebsfälle tritt allerdings
bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren auf. Jeweils ein Viertel der Fälle
betrifft jüngere beziehungsweise ältere Frauen. Nach allen Erkenntnissen
könnte auch hier die Sterberate gesenkt werden. Diese Tatsache, die
bislang unzureichende Teilnehmerrate sowie die erwähnten Mammographien
außerhalb des qualitätsgesicherten Screening-Programms bedeuten
in der Summe, das mindestens 75 Prozent der Diagnosen zu spät oder
unzureichend sicher gestellt werden. Hier besteht daher dringender Handlungsbedarf.
Mindestens zum Beispiel für Frauen aus "Brustkrebsfamilien"
oder für Frauen mit anderen Risikofaktoren, sollte die kostenlose
Mammographie in qualifizierten Zentren möglich sein. Dabei sollte
der Nutzen individuell gegen eventuelle Risiken abgewogen werden, zum
Beispiel "falsch positive Befunde", welche die Frauen unnötigerweise
beunruhigen können. Die Leitlinien der Fachgesellschaften zum Thema
Brustkrebsfrüherkennung fordern ebenfalls eine Ausdehnung des Programms
auf "Hochrisikopatientinnen" aus anderen Altersgruppen. Diese
fachlichen Erkenntnisse müssen Realität in der Kassenärztlichen
Versorgung werden.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Ingrid Schreer
Mammazentrum der Universitätsfrauenklinik, Department Frauenheilkunde
Michaelisstraße 16, 24105 Kiel
Tel.: 0431/597-2100; Fax: -3617
Mail
***
Abdruck bzw. Verwendung frei – Belegexemplar erbeten an:
MWM-Vermittlung
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Fax: 030/803 96-87
Mail
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