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57. Kongress der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Hamburg (CCH) 16. bis 19. September 2008


Warum Zentren in der Perinatalmedizin Müttern und Kindern helfen
Pressetext von Prof. K. Vetter, Berlin

dazu auch der frühere Pressedienst der Dt. Gesellschaft f. Perinatale Medizin

Bei der Zentralisierung der Versorgung in besonders qualifizierten Einrichtungen war die Perinatalmedizin (perinatal = um die Geburt herum) Vorreiter. "High-End-Medizin" für Frauen mit Risikoschwangerschaften wird in Kliniken geboten, in denen Geburts- und Neugeborenenmediziner, Hebammen und andere Berufsgruppen Hand in Hand arbeiten. Dabei kommt es nicht nur auf die technische Ausstattung, sondern vor allem auch auf umfassende Erfahrung und Qualifikation an. So müssen Einrichtungen, die sehr untergewichtige Frühgeborene versorgen, nicht nur einige wenige Fälle pro Jahr behandeln, um den "Frühchen" ein möglichst gesundes Überleben zu sichern. Gerade aber zu diesen "Mindestmengen" läuft derzeit eine – teilweise unsachliche – Diskussion.
Qualität von Diagnostik und Therapie ist Ausgangspunkt der Strukturen in der Perinatalmedizin. Die Perinatalzentren sind ein Paradebeispiel für interdisziplinäre medizinische Teamarbeit zugunsten junger Familien.
Sowohl sechs Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinie 087-001) als auch der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) haben 2005 Vorschläge beziehungsweise Beschlüsse publiziert, die weitestgehend miteinander übereinstimmen, was Versorgungsstufen, Ausstattung, Nähe von Geburtshilfe und Neonatologie oder Qualifikationen von Ärzten und Personal in Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin betrifft. Es wurden Perinatalzentren verschiedener Versorgungsstufen beschlossen. Ein Problem war allerdings, dass sich die Interessenvertreter im G-BA nicht über Mindestmengen einigen konnten.
Dabei hatte es vor der Einführung der DRG eine sinnvolle Konzentration medizinischer Leistungen in diesem Bereich gegeben. Nun beginnen sich diese sinnvollen Strukturen gerade für kleinste Frühgeborene aufzulösen. Und dies, obwohl mehrere Studien aus dem In- und Ausland gezeigt haben, dass untergewichtige "Frühchen" in Zentren mit hohen jährlichen Fallzahlen eine klar bessere Chance auf ein gesundes Überleben haben. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG musste sich mit dem Zusammenhang zwischen Behandlungsmengen und Ergebnisqualität befassen.
Perinatalzentren der höchsten Stufe sind teuer. Die Betreuung von besonders gefährdeten Säuglingen wird entsprechend honoriert. Nicht zuletzt deshalb offenbar versuchen derzeit kleinere Geburtskliniken in Kooperation mit Kinderkliniken – unter anderem durch Publikationen –, die von Fachgesellschaften geforderten Mindestmengen zu umgehen. Dabei wird zum Teil nicht einmal eine der wichtigsten Voraussetzungen, nämlich Geburts- und Neugeborenenstation "Wand an Wand", erfüllt. Die aktuelle Frage ist, ob die Länder als Hüter der Krankenhausplanung oder die Krankenkassen mit ihren Spitzen- und Landesverbänden schließlich die Umsetzung entsprechend den vorgegebenen Qualitätskriterien kontrollieren und absichern.
Ein funktionierendes perinatales Versorgungssystem beruht auf Transparenz und Vertrauen. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Frauenärzte und Hebammen bei einer Risikosituation rechtzeitig die dafür wirklich geeignete Klinik einbeziehen können. Dies erfordert eine Netzwerkstruktur, in der jedem Beteiligten der optimale Weg klar ist. In einigen wenigen Fällen muss dann auch mit längeren Wegen gerechnet werden, weil die hochspezialisierten Zentren an bestimmten z.T. entfernteren Standorten eingerichtet sind. Anders herum gilt: Je niedriger ein Risiko ist, desto eher kann die optimale Versorgung "um die Ecke" stattfinden.
Generell ist bei schwierigeren medizinischen Diagnosen und Therapien eine Zentralisierung unabdingbar (siehe dazu den Pressetext von Prof. Beckmann). Mindestmengen sind nicht das einzige, aber unbestreitbar ein wichtiges Kriterium zur Qualifikation als Perinatalzentrum der höchsten Stufe. Trotz finanzieller und personeller Engpässe darf der Patient nicht Opfer gezielter oder vermeidbarer Fehlfunktionen im Versorgungssystem werden. Während Schwangerschaft, Geburt und Neugeborenenzeit muss die optimale, sichere Versorgung im Mittelpunkt stehen.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Klaus Vetter
Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin
und 2. Vizepräsident der DGGG
Vivantes Klinikum Neukölln, Perinatalzentrum
Rudower Straße 48, 12351
Berlin Tel.: 030/13014-8486; Fax: -8599
Mail

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Medienkontakt:
MWM-Vermittlung
Pressestelle DGGG-Kongress 2008
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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