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Berlin, 6. bis 9. Mai 2009: 24. Deutscher Kongress
für Perinatale Medizin gemeinsam mit
35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische
Intensivmedizin
Geburtshäuser: Sicherheit für Mutter und Kind nicht gewährleistet
Pressetext von Prof. J. Hackelöer
Etwa 15 Prozent aller außerklinischen Geburten müssen
aus medizinischen Gründen abgebrochen und die werdende Mutter in
eine Geburtsklinik verlegt werden. Aufgrund des Zeitverlustes sind dann
Komplikationen oft nicht mehr zu beherrschen, es kommt also zu vermeidbaren
Behinderungen und Todesfällen. Zwar sollten sich auch die geburtshilflichen
Abteilungen der Krankenhäuser um weitere Qualitätsverbesserungen
bemühen, es ist aber äußerst fraglich, ob alleine emotionale
Vorurteile die Entscheidung für eine Niederkunft im Geburtshaus bestimmen
sollten.
Rund 1,5 Prozent der Kinder kommen in Deutschland außerhalb von
Kliniken zur Welt (siehe Tabelle). Da es kein vollständiges Erfassungssystem
für Notfallverlegungen während der Geburt gibt, dürfte
es zusätzlich zu den registrierten 15 Prozent eine hohe Dunkelziffer
geben. Mindestens 1500 Kinder sowie viele Mütter werden einer unnötigen
Gefahr ausgesetzt. Denn trotz aller begrüßenswerter Bemühungen
der Geburtshäuser, eine Risikoselektion vorzunehmen, lassen sich
viele Komplikationen während der Geburt und im Wochenbett nicht vorhersagen,
und die Verlegung in ein noch so nahe gelegenes Krankenhaus dauert fast
immer zu lange.
• Zum Beispiel kommt der unvorhergesehene Sauerstoffmangel (Hypoxie)
unter der Geburt nach einem Nabelschnurvorfall bei Schädellage in
einem von 878 Fällen vor. Ein Geburtshaus, das nur 40 Geburten pro
Jahr begleitet, kann sich statistisch gesehen 20 Jahre lang in der trügerischen
Sicherheit wiegen, dass nichts passiert. Für das eine Kind aber,
bei dem es doch eintritt, wird das Ereignis zur komplettem Katastrophe.
• Bei den akuten Plazentationsstörungen ist das Risiko einer
vorzeitigen Ablösung unter der Geburt vorher nicht abschätzbar,
sie ist jedoch mit einem von 227 Fällen eine keineswegs seltene Komplikation.
• Auch nach anscheinend unkompliziertem Verlauf kann es dazu kommen,
dass das Kind Fruchtwasser einatmet. Das ist immer dann extrem gefährlich,
wenn auch kindlicher Stuhl (Mekonium) dabei ist. Alleine in unserer Klinik
traten im letzten halben Jahr drei lebensbedrohliche Fälle auf, die
nach zunächst scheinbar unkomplizierten Verläufen von den Neugeborenenärzten
intensivmedizinisch versorgt werden mussten.
• Für die Mutter stellen Blutungen nach der Geburt, vor allem
auch nach Plazentalösungsstörungen, eine nicht vorhersehbare
Komplikation dar, ebenso wie größere Scheiden- oder Gebärmutterhalsrisse.
Auch beim Kind kann es übrigens unter der Geburt zu einem gefährlichen
Blutverlust kommen.
• Hinzu kommen mütterliche Probleme im Wochenbett einschließlich
Lungenembolie und Sepsis, die erheblich zur Sterblichkeit im Zeitraum
um die Geburt beitragen, wenn sie nicht in der Klinik in den drei ersten
Tagen angemessen betreut werden.
Alle genannten Komplikationen verlaufen tödlich, wenn nicht sofort
adäquat reagiert werden kann. Geburtshäuser können also
nie die Sicherheit einer Geburtsklinik erreichen. In den viel gelobten
Niederlanden zum Beispiel ist der Anteil an neurologisch geschädigten
Kindern nach abgebrochenen Hausgeburten deutlich höher als bei Klinikgeburten.
In der Gesundheitspolitik wird darüber diskutiert, ob die Gemeinschaft
der Versicherten zum Beispiel Unfälle von Extremsportlern wirklich
bezahlen soll. Ähnlich darf zumindest gefragt werden, ob es bei der
Wahl der Geburtsart alleine auf individuelle Wünsche ankommt, auch
wenn die Gesellschaft insgesamt die Folgen zu tragen hat.
Zugegebenermaßen können auch in der besten Geburtsklinik
Komplikationen und Fehler auftreten. Auch hier müssen die Qualitätssicherungsmaßnahmen
ständig überprüft und ausgebaut werden. Dazu gehört
auch, unter Beibehaltung der nachweislich die Sicherheit erhöhenden
Technik, die Geburt nicht zu "vertechnisieren" und die menschliche
Zuwendung weiter zu verbessern. Dies ist jedoch leider in Zeiten von Personaleinsparungen
ein großes Problem.
Ansprechpartnerin:
Prof. Bernd-Joachim Hackelöer
Asklepios Klinik BarmbekKlinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin
Rübenkamp 220, 22291 Hamburg
040/181 882-1841; Fax: -1849
Mail
Kontakt für MEDIEN-Vertreter/innnen:
MWM-Vermittlung
Pressestelle Perinatal 2009
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
Mail
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