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Berlin, 6. bis 9. Mai 2009: 24. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin gemeinsam mit
35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

Gewalt gegen Frauen: Die Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten
Pressetext von Dr. M. Hauser

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist leider auch hierzulande ein immer wieder aktuelles Thema. Doch für eine fachlich fundierte Betreuung sind Ärzte und Ärztinnen nicht ausgebildet. Daher ist es unerlässlich, dass dieses Thema Teil der Medizinerausbildung wird. Die Erfahrungen von medica mondiale in Kriegs- und Krisengebieten können sowohl bei der Erarbeitung von Fortbildungsinhalten als auch bei Behandlungskonzepten helfen.
Nach wie vor werden Frauen und Mädchen in kriegerischen Auseinandersetzungen vergewaltigt und als “natürliche" Kriegsbeute von Männern betrachtet – täglich und an vielen Orten auf dieser Welt. medica mondiale hat während jahrelanger Arbeit in Kriegs- und Krisenregionen und in Zusammenarbeit mit Fachfrauen vor Ort ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das Frauen bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen unterstützt, und dadurch Standards in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, Trauma- und Menschenrechtsarbeit gesetzt.*
Laut einer Studie des Frauenministeriums haben 40 Prozent aller in Deutschland lebenden Frauen im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Die Wahrscheinlichkeit für Ärztinnen und Ärzte, bei Patientinnen auf psychosomatische und traumabezogene Symptomatik zu treffen, ist also sehr hoch. Doch für bestmögliche Betreuung sind sie nicht ausgebildet, was für die Patientinnen eine hohe Retraumatisierungsgefahr zur Folge hat.
Zudem ist davon auszugehen, dass Ärztinnen selber Gewalterfahrungen gemacht haben, welche unreflektiert in der täglichen Arbeit ebenfalls zu Retraumatisierungen bei Patientinnen als auch bei sich selber führen können. Nicht unerheblich ist auch die Möglichkeit, dass männliche Ärzte – auch Gynäkologen – selber Gewalt ausgeübt haben. Hinzu kommt die Patientinnengruppe der alten (deutschen) Frauen, die Vergewaltigungen am Ende des 2. Weltkriegs erleben mussten und nie darüber sprechen konnten. Aus der Arbeit von medica mondiale wissen wir, dass die körperlichen und seelischen Folgen dieser Vergewaltigungen massiv und oft lebenslang wirken, auch in die nächsten Generationen hinein; erst jetzt, über 60 Jahre später, werden diese Folgen hierzulande erforscht.
Daher ist es unerlässlich, dass diese Inhalte zum trauma- und geschlechtersensiblen Verhalten und zu Traumasymptomen verpflichtend sowohl ins Curriculum des Medizinstudiums als auch der Facharzt-Ausbildung integriert werden müssen. Zudem hat gerade ärztliches Personal eine politische Verantwortung, sein Wissen über Gewalt in Familien öffentlich zu machen.
Laut Weltgesundheitsorganisation beeinflusst Gewalt die Gesundheit der weiblichen Bevölkerungen weltweit am meisten und am nachhaltigsten. Daher müssen diese menschenrechtlichen Themen unbedingt in die Agenda des im Oktober in Berlin stattfindenden Weltgesundheitsgipfels integriert werden.
* Dazu gehört zum einen die unmittelbare und umfassende Unterstützung von Frauen in Kriegs-, Nachkriegs- und Krisengebieten, die von medizinischer Versorgung über psychosoziale Beratung und rechtlichen Beistand bis hin zu beruflicher Existenzsicherung reicht.
Zum anderen betreibt medica mondiale Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema sexualisierte Kriegsgewalt, setzt sich politisch für die Rechte von Frauen ein und fordert die strafrechtliche Verfolgung der Täter. Die gemeinnützige Organisation fördert so die soziale Integration sowie die aktive Teilhabe von Frauen an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und schützt sie darüber hinaus vor erneuter Gewalt.
1993 gründete die Gynäkologin Monika Hauser zusammen mit bosnischen Fachfrauen mitten im Krieg das interdisziplinäre Frauentherapiezentrum zur Unterstützung traumatisierter Frauen und Mädchen. 2008 erhielt Frau Dr. Hauser den Alternativen Nobelpreis.
Zehntausende Frauen konnte medica mondiale in den letzten 15 Jahren unterstützen, sowohl mit eigenen Projekten in Bosnien, Albanien, Liberia, Afghanistan und im Kosovo als auch in Zusammenarbeit mit kompetenten Frauenorganisationen vor Ort, unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda und Uganda. Heute arbeiten rund 29 Mitarbeiterinnen in der Kölner Geschäftsstelle, sammeln Spenden, koordinieren Hilfsprojekte, und bilden Frauen vor Ort zur Selbständigkeit in diesen Projekten aus. Weltweit zählt medica mondiale insgesamt rund 180 Mitarbeiterinnen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Monika Hauser
medica mondiale e. V.
Hülchrather Straße 4, 50670 Köln
Tel.: 0221/931898-0; Fax: -11 Mail:
Mail
Web: medica mondiale e.V.
Spendenkonto: Sparkasse Köln Bonn, BLZ 370 501 98 Konto 45 000 163

 
 
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