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Berlin, 6. bis 9. Mai 2009: 24. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin gemeinsam mit
35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

Perinatalmedizin im internationalen Vergleich: Die Versorgung von Frühchen
Pressetext von Prof. M. Obladen

Übung macht den Meister, sagt das Sprichwort. Für die notwendige intensive Hilfe, die untergewichtige Frühgeborene benötigen, gilt das ganz besonders. Während jedoch in den meisten Ländern dafür spezielle, große Perinatalzentren gebildet wurden, wird in Deutschland immer noch darüber gestritten, welche Erfahrung und welche Qualitätsmerkmale eine Klinik aufweisen muss, um die besten Chancen für "Frühchen" zu gewährleisten. Nicht wenige Kliniken erfüllen die dazu notwendigen Anforderungen nur teilweise.
Sieben Prozent aller Kinder kommen als Frühgeborene, also vor dem Abschluss der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm sind besonders gefährdet: Jedes siebente von ihnen stirbt, von den Überlebenden wächst jedes fünfte behindert auf. Es gibt jedoch keinen Zweifel, dass in Perinatalzentren, die eine größere Anzahl solcher Fälle pro Jahr behandeln, diese Frühchen sowohl eine größere Chance auf Überleben als auch auf ein Leben ohne Behinderungen haben.*
In den genannten Fällen erfordern das Geburtsmanagement, die Erstversorgung des Frühgeborenen nach der Geburt sowie die manchmal monatelang dauernde Intensivbehandlung des unreifen Kindes nicht nur den Einsatz komplizierter Techniken, sondern auch besondere Erfahrung. Dazu gehört gerade auch das Unterlassen invasiver und nebenwirkungsreicher Maßnahmen.
In den meisten Ländern mit entwickeltem Gesundheitswesen wurden seit Jahrzehnten große Perinatalzentren gebildet, in welche Frauen mit drohender Frühgeburt überwiesen werden, um dem Kind die bestmögliche Überlebenschancen zu geben. Dabei geht es nicht nur um die Senkung der Sterblichkeit, sondern auch um eine Verhinderung der Häufigkeit von bleibenden Behinderungen, zum Beispiel infolge von Hirnblutungen.
Fachgesellschaften fordern aus diesen Gründen seit langem eine Konzentration auf hochspezialisierte Einrichtungen, die eine Mindestanzahl von solchen Fällen pro Jahr vorweisen können. In Deutschland jedoch behandeln immer mehr – statt weniger – Kliniken auch Risikoschwangere und Neugeborene mit extrem niedrigem Geburtsgewicht. Dies hat auch mit dem Vergütungssystem für Krankenhäuser zu tun.
Im August 2008 hat auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach umfangreicher Literaturauswertung einen Zusammenhang zwischen Behandlungsmenge und Ergebnisqualität (vor allem: Überlebensrate) festgestellt, gerade auch anhand von Studien aus Deutschland. Immerhin ist nun eine stärkere Professionalisierung durch Bildung großer Perinatalzentren auch in Deutschland geplant. Dies ist besonders notwendig vor dem Hintergrund, dass bei nur noch 680.000 Geburten pro Jahr etwa 8.000 Kinder unter 1500 g Geburtsgewicht zur Welt kommen. Diese Frühgeborenen dürfen nicht nicht auf fast tausend Geburtskliniken und über dreihundert Kinderkliniken "verteilt" werden, auch wenn sich die meisten von ihnen selbst als "Perinatalzentren" definieren. Denn viele dieser Kliniken erfüllen die strukturellen Anforderungen (ärztlicher Schichtdienst, Weiterbildung der Pflegekräfte, Erfahrung u.a.m.) nur teilweise; viele Kliniken behandeln jährlich nur wenige Frühgeborene, wobei erkennbar improvisiert wird ("Gelegenheitsversorgung").
Der gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen (G-BA) hat deshalb im Dezember 2008 die bereits bestehenden Strukturanforderungen für Perinatalzentren präzisiert, in einer ersten Phase die Offenlegung der Behandlungsergebnisse angeordnet und berät derzeit erneut über die seit Jahren geforderten Mindestmengen für Perinatalzentren, in denen Frühgeborene mit Geburtsgewicht unter 1500 Gramm behandelt werden dürfen. Dabei sind – zusätzlich zu den bisherigen Qualitätsanforderungen – jährliche Mindestmengen von 36 bis 50 Kindern im Gespräch.
* Siehe auch früherer Pressedienst
Ansprechpartner:
Prof. Michael Obladen
Bayernstraße 5, 79100 Freiburg
Tel.: 0761/214 69 60
Mail
Meldung des gemeinsamen Bundesausschusses
Kontakt für MEDIEN-Vertreter/innnen:
MWM-Vermittlung
Pressestelle Perinatal 2009
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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