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Berlin, 6. bis 9. Mai 2009: 24. Deutscher Kongress
für Perinatale Medizin gemeinsam mit
35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische
Intensivmedizin
Das Revival der vaginalen Geburt: Kaiserschnitt ist keine ideale Lösung
Pressetext von Dr. B. Ramsauer
Allenthalben ist vom Trend zum Kaiserschnitt die Rede – derzeit
werden tatsächlich bis zu 30 Prozent der Schwangeren auf diese Weise
entbunden. Auf die möglichen Komplikationen der Schnittentbindung
sowohl für die Mutter als auch für das Kind wird hingegen zu
wenig hingewiesen, ebenso wie auf die Tatsache, dass Frauen wieder zunehmend
eine "normale" Entbindung wünschen. Auch in seltenen Situationen
wie bei einer Beckenendlage ist dies in vielen Fällen durchaus möglich.
Mittlerweile gibt es Anzeichen für eine Rückkehr der vaginalen
Geburt.
Zweifellos gibt es Schwangerschaften, bei denen ein Kaiserschnitt die
beste Geburtsmethode ist. Es wird aber behauptet, die meisten Eltern wünschten
sich eine planbare Geburt mit Hilfe des Kaiserschnitts (Sectio caesarea),
weil die Frau Schmerzen vermeiden will, der Termin mit einer Dienstreise
des Mannes in Einklang gebracht werden soll oder die Eltern sich nach
dem Horoskop für ihr Kind orientieren. Auch viele Ärzte wähnten
sich mit der Sectio juristisch in größerer Sicherheit, und
für die Kliniken scheint sie finanziell mehr einzubringen.
Im Gegensatz etwa zu einer Not-Sectio bedeutet der geplante Kaiserschnitt
für das Kind oft einen unnötig schwereren Start ins Leben. Anpassungsstörungen
vor allem bei der Atmung des Neugeborenen treten vermehrt auf. Doppelt
so viele Kinder wie nach vaginalen Geburten werden auf die Neugeborenen-Intensivstation
verlegt.
Vielen Frauen ist nicht klar, dass ein Kaiserschnitt eine Hypothek auf
ihre nächsten Schwangerschaften bedeutet. Alte Narben können
aufreißen. Häufig sind ferner Störungen bei der Anlage
der Plazenta. In deren Folge muss mit vermehrten Plazentalösungsproblemen
gerechnet werden. Es kann zu Frühgeburten oder dem Tod des Kindes
kommen, außerdem zu chronischen Schmerzen durch Narben.
Auch die seelischen Folgen für Mütter nach Kaiserschnittgeburten
sind nicht zu vernachlässigen. Nicht wenige Mütter haben das
Gefühl, keine "richtige" Geburt zustande gebracht zu haben
und leiden darunter.
Auch das Argument, der "Love Channel" würde durch den Kaiserschnitt
"geschont", ist so nicht richtig. Die Beckenbodenmuskulatur
wird nachgewiesenermaßen nicht nur durch den Geburtsvorgang allein
beansprucht, sondern schon während der gesamten Schwangerschaft verändert.
Jede Schwangerschaft hinterlässt Spuren.
Was hat zur derzeitigen Kaiserschnitt-"Mode" geführt?
In den letzten Jahrhunderten galt er in adeligen Kreisen als extravagante
Geburtsmethode. In den letzten Jahren kam die Vorstellung auf, alle Probleme
ließen sich technisch lösen. Hinzu kam das "Vorbild"
von prominenten Frauen. Mittlerweile aber haben viele Schwangere wieder
den Wunsch, die Geburt aus eigener Kraft zu schaffen. Denn trotz der Möglichkeiten
der modernen Medizin bleibt sie eine faszinierend emotionale Seite des
Lebens. Man muss nur eine Antenne dafür behalten.
Der Wunsch nach einer natürlichen Geburt wird wieder mehr an Ärzte
herangetragen. Nach einem ersten Kaiserschnitt wünschen sich Umfragen
zu Folge über 70 Prozent der Frauen für das nächste Mal
eine vaginale Geburt. So könnte die vaginale Geburt wieder einer
der schönsten Augenblicke im Leben einer Frau werden. Wenn die Risiken
eines Kaiserschnitts auf Wunsch – ohne wirkliche medizinische Notwendigkeit
– bekannter sind, dürfte auch dies ebenfalls zu einem Revival
der vaginalen Geburt beitragen.
Auch bei den ärztlichen Geburtshelfern steigt der Wunsch, eine
vaginale Geburt wirklich zu beherrschen und den Frauen durch wechselnde
Geburtspositionen, Entspannungsübungen oder Medikation zu helfen.
Nach einer durchwachten Nacht im Kreißsaal ist es auch für
erfahrene Ärztinnen und Ärzte ein beglückendes Gefühl,
die "natürliche" Geburt miterlebt und begleitet zu haben.
Inzwischen hat sich auch gezeigt, dass die Risiken einer gut geplanten
vaginale Geburt in vielen Fällen nicht größer sind als
beim Kaiserschnitt. So ist es in den meisten Fällen möglich,
ein Ungeborenes in Beckenendlage gefahrlos mittels vaginaler Geburt auf
die Welt zu bringen. Durch die verbesserte Betreuung in der Schwangerschaft
ist es sehr gut möglich, erst unmittelbar zum Geburtstermin zu entscheiden,
ob eine vaginale Geburt möglich oder eine Sectio notwendig ist. Richtig
ist allerdings, dass ein rechtzeitig beschlossener Kaiserschnitt –
bei vorhandenen Risiken für Mutter oder Kind – immer noch besser
ist als eine Not-Sectio.
Ärztinnen und Ärzte respektieren die Wünsche und Vorstellungen
der Frau in Bezug auf die Geburt ihres Kindes. Als medizinisch kompetenter
Berater müssen sie aber auch ihr Fachwissen nutzen, um der Frau eine
Entscheidung zu ermöglichen – eben auch eine zur "normalen"
Geburt.
Ansprechpartnerin:
Dr. Babett RamsauerVivantes
Klinikum Neukölln, Perinatalzentrum
Rudower Straße 48, 12351 Berlin
Tel.: 030/13014-8486, Fax: -8599
Mail
Kontakt für MEDIEN-Vertreter/innnen:
MWM-Vermittlung
Pressestelle Perinatal 2009
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
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