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Berlin, 6. bis 9. Mai 2009: 24. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin gemeinsam mit
35. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin

Extrem frühgeborene Kinder: Fakten zur langfristigen Entwicklung
Pressetext von Prof. D. Wolke

Immer mehr extrem frühgeborene Kinder, die noch vor etwa zwanzig Jahren kaum eine Überlebenschance gehabt hätten, überleben heute aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung. Bei guter Betreuung von Mutter und Kind in spezialisierten Zentren ist auch die Chance auf ein Leben ohne Behinderung gegeben. Allerdings darf nicht unterschätzt werden, wie hoch die Gefahr für Entwicklungsstörungen bei stark untergewichtigen "Frühchen" ist.
Die EPICure Studie* untersuchte alle überlebenden Kinder, die 1995 vor der 26. Schwangerschaftswoche in ganz Großbritannien geboren wurden, über die ersten elf Lebensjahre hinsichtlich ihrer körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, Verhalten, Sozialbeziehungen und schulischen Leistungen. Parallel wurden Kinder in den gleichen Schulklassen des gleichen Alters, Geschlechts und Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppe untersucht ("Kontrollkinder"). Im Alter von elf Jahren zeigten sich folgende Ergebnisse:
° 40 Prozent der extrem Frühgeborenen hatten Lernbehinderung, in der Kontrollgruppe waren es nur ein Prozent.
° Die Lernbehinderungen von extrem Frühgeborenen waren bei Jungen doppelt so häufig wie bei Mädchen.
° 67 Prozent der extrem Frühgeborenen benötigten besondere Förderung in der Schule gegenüber elf Prozent der "normal" Geborenen.
° Emotionale Störungen und Aufmerksamkeitsdefizite waren bei den extrem früh- geborenen Kindern bis zu 15mal häufiger. Gerade dies bedeutet eine starke Belastung für die Eltern.
° 16 gegenüber 2,9 Prozent hatten milde bis schwere autistische Symptome. Acht Prozent der extrem Frühgeborenen wiesen die klinische Diagnose Autismus auf, bei den Kindern aus der Kontrollgruppe keines.
Die Ergebnisse zeigen, dass nur wenige extrem Frühgeborene aus den Problemen der frühen Kindheit ganz herauswachsen. Vielmehr ergeben sich nennenswerte Probleme sowohl für diese Kinder selbst als auch für deren Eltern aufgrund der erhöhten Anforderungen in Schule und Gesellschaft. Die hohe Autismus-Rate und Beziehungsprobleme sind besonders Besorgnis erregend, und viele dieser Kinder benötigen lebenslange Versorgung und Begleitung. Dabei geht es weniger um die medizinische als vielmehr um pädagogische und psychologische Nachsorge für die Familien.
Ansprechpartner:

Prof. Dieter Wolke
University of Warwick, Coventry Department of Psychology and Health Sciences Research Institute,
Warwick Medical School
UK-Coventry CV4 7AL
Tel: +44 (0)24 7652 3537
Mail
Kontakt für MEDIEN-Vertreter/innnen:
MWM-Vermittlung
Pressestelle Perinatal 2009
Kirchweg 3 B, 14129 Berlin
Tel.: (030) 803 96-86; Fax: -87
Mail


Literatur:
Marlow N, Wolke D, Bracewell MA, Samara M. Neurologic and developmental disability at 6 years of age after extremely preterm birth. New England Journal of Medicine. 6 January 2005;352(1):9-19.
Petrou S, Henderson J, Bracewell M, Hockley C, Wolke D, Marlow N. Pushing the boundaries of viability: The economic impact of extreme preterm birth. Early Human Development. Feb 2006;82(2):77-84.
Wolke D, Samara M, Bracewell M, Marlow N. Specific language difficulties and school achievement in children born at 25 weeks of gestation or less. Journal of Pediatrics. 2008;152(2):256-262.
Bracewell MA, Hennessy EM, Wolke D, Marlow N. The EPICure study: growth and blood pressure at 6 years of age following extremely preterm birth. Arch. Dis. Child. Fetal Neonatal Ed. March 1, 2008 2008;93(2):F108-114.
Samara M, Marlow N, Wolke D, for the ESG. Pervasive Behavior Problems at 6 Years of Age in a Total-Population Sample of Children Born at <=25 Weeks of Gestation. Pediatrics. September 1, 2008;122(3):562-573.
Hennessy EM, Bracewell MA, Wood N, et al. Respiratory health in pre-school and school age children following extremely preterm birth. Archives of Disease in Childhood. 2008;93(12):1037-1043.
sowie hier im web
 
 
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