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Ein Modell für die Psychiatrie –
Beispielhafte Versorgung und Forschung im alten Herzen Berlins
Pressetext von Prof. Dr. Andreas Heinz

Dass seelische Erkrankungen zu den häufigsten Volkskrankheiten mit großen Verlusten an Lebensqualität für Betroffene und ihre Angehörigen sowie enormen volkswirtschaftlichen Belastungen gehören, ist noch weitgehend unbeachtet. Ein modernes Psychiatrie-Konzept beruht auf hervorragender Forschung, frühzeitiger Erkennung und Behandlung, fachübergreifender Zusammenarbeit und – wie in Berlin – wohnortnaher Versorgung der Kranken. Um diese Bedingungen noch besser zu erfüllen, zieht die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité (Mitte) nun weitgehend ins St. Hedwig-Krankenhaus. Mit dieser Kooperation zwischen Universität und privatem Träger wird ein zukunftsweisendes Modell realisiert.
Die Gesundheitsminister der Europäischen Union haben das Thema „Seelische Gesundheit“ zu einem ihrer zentralen Anliegen gemacht. Auch Politiker haben mittlerweile die Bedeutung dieser Krankheitsgruppe bemerkt, die ein erhebliches Maß an Behinderung und Verlust von Lebensqualität in der Bevölkerung sowie auch enorme volkswirtschaftliche Kosten mit sich bringt. So zählen alleine zu den zehn häufigsten Volkskrankheiten in westlichen Industrieländern fünf psychische Erkrankungen, nämlich Depressionen, Alkoholabhängigkeit, Schizophrenien, bipolare Erkrankungen (früher: "manisch-depressive Erkrankungen") sowie Demenzen.
Psychisch Kranke werden auch heute noch häufig sozial benachteiligt. Sie werden ausgegrenzt und kommen übrigens auch deswegen nicht immer und oft sehr spät in die „richtigen Hände“. Diese Stigmatisierung ist nicht nur inhuman und verursacht ganz nebenbei hohe, vermeidbare Kosten, sondern sie ist auch unmodern. Denn unter anderem zeigt die Hirnforschung, dass psychische Leiden – jedenfalls zu erheblichen Teilen – Erkrankungen des Organs Gehirn sind. Seelisch Kranke haben ein Recht darauf, gleichrangig mit allen anderen Patienten behandelt zu werden.
Einige psychischen Erkrankungen verlaufen chronisch, andere sind sehr gut behandelbar und heilbar. Dies trifft zu auf Depressionen, bipolare Störungen, bestimmte Formen schizophrener Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen. Bei fortschreitenden Erkrankungen, wie etwa einem Großteil der Demenzen und einer ganze Reihe schizophrener Störungen, ist es besonders wichtig, dass die Behandlung der Patienten nicht nur die akute Linderung der Symptome umfasst, sondern den Menschen hilft, die soziale Beeinträchtigung ihrer Lebensumstände weitgehend zu verringern. Dafür ist die Behandlung außerhalb des Krankenhauses in der Lebenswelt der Patienten entscheidend. Selbsthilfegruppen, Kontakt- und Beratungsstellen, mehr und weniger betreute Wohnformen, Heime und Tageskliniken spielen hier eine wichtige Rolle.
Um dieses Netzwerk sozialer Einrichtungen abzustimmen, gilt in Berlin die „sektorisierte“ Versorgung der Bevölkerung: Jeder Patient hat das Recht, in seinem Heimatbezirk sowohl stationär im Krankenhaus wie vor- und nachstationär in seinem Heimatbezirk versorgt zu werden.
Die Bevölkerung des Berliner Bezirks Mitte wird sowohl am Sankt Hedwig-Krankenhaus – das schon lange Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité ist – als auch an der Charité in Mitte selbst psychiatrisch versorgt. Zu den Spezialangeboten der "PUK Charité im SHK" gehört eine Station für suchtkranke Menschen, ein Schlaflabor, ein Kriseninterventionszentrum, ein gerontopsychiatrisches Zentrum sowie ein interkulturell arbeitendes Team in der Institutsambulanz, das muttersprachliche Angebote für die Migranten im Bezirk Berlin-Mitte und darüber hinaus anbietet.
Das St. Hedwigs-Krankenhaus ist ein schöner Altbau mitten im Herzen des Scheunenviertels, des früheren Toleranzviertels von Berlin, in dem sich verschiedene Religionen und Menschen unterschiedlicher Herkunft mischen. Für die Charité-Psychiatrie wird demnächst ein Neubau fertig gestellt.
Die Führung eines Teils der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité am Campus Mitte in privater Trägerschaft ist ein deutschlandweit einmaliges und zukunftsweisendes Konzept. Auf dem Charité Campus Mitte bleibt eine kleinere Abteilung, die größere Abteilung ist nun im St. Hedwig-Krankenhaus angesiedelt. So entstehen exzellente Möglichkeiten für klinische Forschung und ein differenziertes Behandlungsangebot. Für Forschung und Lehre bedeutet dies zudem, dass die Charité-Psychiatrie zusätzliche, hervorragend qualifizierte Ärzte und Wissenschaftler beschäftigen kann.
Der Umzug macht auch deutlich, dass psychische Leiden „ganz normale“ Krankheiten sind. Denn die Psychiatrie liegt nun „Tür an Tür“ mit anderen Fächern wie Innere Medizin und Chirurgie. Auch durch diese integrierte Versorgung im St. Hedwig-Krankenhaus können Vorurteile abgebaut werden.
Zu den psychiatrischen Spezialstationen, die im St. Hedwig-Krankenhaus für den Gesamtbezirk Mitte angeboten werden, gehört eine Station für abhängig kranke Patienten mit und ohne Persönlichkeitsstörungen (wie der „Borderlinestörung“), bei der sich Patienten oft schwer selbst schädigen können. Besonders wichtig ist auch, dass sich die Psychiatrie der Charité eines angesichts der demographischen Entwicklung brennenden Problems annimmt und an ihrem neuen Standort ein gerontopsychiatrisches Zentrum mit Tagesklinik, stationären Behandlungsmöglichkeiten und einer ambulanten Demenzsprechstunde unterhält. Gerade für Berlin von erheblicher Bedeutung ist ferner das interkulturell arbeitende Team in der psychiatrischen Institutsambulanz, das auch muttersprachliche Angebote für die Migranten im Bezirk Berlin-Mitte und darüber hinaus anbietet. Zudem besitzt die Psychiatrische Universitätsklinik ein Schlaflabor sowie ein Kriseninter-ventionszentrum insbesondere für Patienten mit Suizidalität und Depressionen.
Für die Lehre ist die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwigs-Krankenhaus vollständig in den Unterricht des Campus Mitte integriert.
In der Forschung liegen Schwerpunkte im Bereich der bildgebenden Darstellung psychischer Erkrankungen und ihrer auslösenden Faktoren im Bereich von Umwelt- und Stressfaktoren sowie genetischen Dispositionen. Dieses Forschungsgebiet wird ebenso wie die Schlafforschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt, entsprechend der sozialen Aufgabe der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité, in der Erforschung der Versorgungsstrukturen und der sozialen Auswirkung psychischer Erkrankungen. Angesichts knapper Kassen ist es besonders wichtig, die für die Patienten jeweils bestmöglichen Therapieverfahren herauszufinden und in einem therapeutischen Netzwerk zu bewerten.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.med. Andreas Heinz
Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Campus Mitte / PUK Charité im SHK
Tel.: (030) 450517-001; Fax: -921
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Homepage Charité-Psychiatrie
Homepage Psychiatrie St. Hedwig
MEDIEN-Kontakt:
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